Auftakt für die Handreichungen des Europarates zur Sprachunterstützung für erwachsene Flüchtlinge

Straßburg, 22. – 23. November 2017

   Programm der Auftaktkonferenz einschließlich Präsentationen (auf Englisch und Französisch verfügbar)
  NB: Die Vorträge der Redner werden im Programm in der Originalsprache zur Verfügung gestellt.

 

GESAMTÜBERBLICK

Reaktionsfähigkeit des Europarates bei gesellschaftlichen Erfordernissen

Der Europarat hat Online-Handreichungen ausgearbeitet, die für Organisationen bestimmt sind, die Sprachunterstützung für erwachsene Flüchtlinge anbieten, und diesen als konkrete Hilfestellung dienen sollen. Denn Flüchtlinge müssen in der Lage sein, schnellstmöglich zu lernen, sich in der Aufnahmegesellschaft zu verständigen. Die Handreichungen entsprechen diesem Erfordernis, indem sie den ersten Austausch im Notfall und später eine Einführung in die Sprache des Aufnahmelandes ermöglichen.

Die Online-Handreichungen (www.coe.int/lang-refugees) bestehen daher aus einer Serie von 57 Einheiten samt zusätzlichen Materialien und liegen in sieben Sprachen vor: Deutsch, Englisch, Französisch, Griechisch, Italienisch, Niederländisch und Türkisch.
Weitere Informationen (Hintergrund).
 


Der Auftakt: ein breites Teilnehmerspektrum

Mehr als hundert Teilnehmer aus 23 Ländern – darunter diejenigen, die am stärksten von der Aufnahme von Flüchtlingen betroffen sind – folgten der Einladung des Europarates zur Auftaktveranstaltung für die Handreichungen im Europarat in Straßburg. Rund 70 Einrichtungen waren somit vertreten: Verbände, Organisationen – regionale ebenso wie nationale –, aber auch große internationale Netzwerke sowie Ministerien und nationale Institutionen. Die Teilnehmer begrüßten das kostenlose, flexible und einfach anzuwendende Instrument nachdrücklich und konnten wertvolle Anregungen zu dessen Verbesserung geben.


Μια ομάδα διακεκριμένων ομιλητών

Am Konferenzprogramm waren neben dem Europarat vier bedeutende internationale Organisationen, aber auch ein bosnischer Schriftsteller und politischer Flüchtling in Frankreich beteiligt, der in einem bewegenden Zeugnis von seinem Integrationsweg berichtete und daran erinnerte, dass „die Integration eine Begegnung der Flüchtlinge mit der übrigen Bevölkerung sein muss“. Die Handreichungen des Europarates zielen genau darauf ab, eine Brücke zwischen den Flüchtlingen und der Aufnahmegesellschaft zu schlagen.

Matthew Johnson, Direktor für demokratische Staatsbürgerschaft und Teilhabe, erklärte, die Handreichungen seien ein geeignetes Beispiel, um zu zeigen, wie ein Bedarf ermittelt, eine angemessene Antwort entwickelt und das Instrument anschließend den Mitgliedsstaaten und weiteren wichtigen Akteuren zur Umsetzung vorgeschlagen werden kann. Villano Qiriazi, Leiter der Abteilung für Bildungspolitik, legte dar, dass die Umsetzung der Handreichungen Teil einer langen Tradition der Sprachenpolitik sind und sich auf die Ressourcen und Ergebnisse aus sechs Jahrzehnten Arbeit stützen. Etienne Gilliard, Vorsitzender des Lenkungsausschusses für Bildungspolitik und -praxis (der sich aus Vertretern der 47 Mitgliedsstaaten zusammensetzt), hielt schließlich seinerseits „den Geist der Solidarität und des Wohlwollens“ des Konzepts der Handreichungen fest.

Nach Auffassung von Tomáš Boček, Sonderbeauftragter des Generalsekretärs des Europarates für Migration und Flüchtlinge, ist „die Sprache ein Schlüssel, der zahlreiche Türen öffnet“. Er hob hervor, dass „die Handreichungen ein ausgezeichnetes Beispiel für eine einfache und praktische Lösung darstellen, die in einer Reihe von Mitgliedsstaaten leicht einsetzbar ist, und dass sie die Möglichkeiten zum Erlernen der Sprache(n) des Aufnahmelandes konkret verbessern können“. Außerdem unterstrich er, dass „die Handreichungen den Freiwilligen durch ihren sehr übersichtlichen Aufbau und die zahlreichen Beispiele Hilfsmittel zur Verfügung stellen, die es ihnen ermöglichen, die Bedürfnisse der Flüchtlinge zu verstehen, ihre Unterstützung zu planen und eine wirksame Sprachunterstützung anzubieten“.

Botschafter Erdoğan Işcan (Vorsitzender des GR-C / Ministerkomittees) erinnerte daran, dass der Europarat durch das umfangreiche Projekt Sprachliche Integration erwachsener Migrantinnen und Migranten (LIAM) bereits in diesem Bereich aktiv sei: „Das LIAM-Projekt unterstützt politische Entscheidungsträger und andere in der Praxis tätige Menschen, deren Aufgabe die Erleichterung der Integration von Migranten und Migrantinnen in die Zivilgesellschaft ist. Mit den neuen Handreichungen, die wir heute vorstellen, setzt der Europarat eine weitere Initiative zur Stärkung von sozialem Zusammenhalt und zum Schutz der Würde von Flüchtlingen. Die Materialien ermöglichen es den Flüchtlingen, durch das Erlernen der Sprache des Aufnahmelandes Autonomie zu erlangen.“


Die vier internationalen Organisationen, die sich zu einem Beitrag zu diesem Auftakt bereit erklärt haben, begrüßten die Erstellung der Handreichungen des Europarates, da ein derartiges Instrument noch nicht existiert.

Céline Peroni (Europäische Kommission) entdeckte in den Handreichungen „echte konkrete Antworten“ auf die Herausforderungen, denen sie in einigen der Projekte begegnet, die sie leitet. Für Myriam Mwizerwa (Internationale Organisation für Migration – OIM) „schafft das Kommunikationsvermögen ein Verantwortungsgefühl und die Fähigkeit, den Alltag zu bewältigen“ (was genau das Ziel der Handreichungen ist). Gert Westerveen erklärte, der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) habe „die im Rahmen des Programms zur Sprachenpolitik des Europarates entworfenen Handreichungen sehr positiv“ aufgenommen. Cécile Thoreau schließlich begrüßte dieses Instrument und erinnerte daran, dass sich ihre Arbeit in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und jene des Europarates wechselseitig ergänzen.


Wie geht es nach dem Auftakt weiter?

Sowohl die Vertreter der internationalen Organisationen als auch etliche weitere Teilnehmer erklärten, sie würden aktiv zur Verbreitung der Handreichungen beitragen, die, wie erwähnt, in Wirklichkeit eine in sieben Sprachen verfügbare Website sind (www.coe.int/lang-refugees), die aus 57 Einheiten und einer Vielzahl weiterer Materialien besteht, welche sowohl für Freiwillige als auch für Einrichtungen, die Sprachunterstützung anbieten, von Nutzen sind.

 

 Liste der an der Auftaktkonferenz beteiligten Organisationen (pdf)

 Fotogalerie der Auftaktkonferenz