Der Europarat hat im Jahr 2026 im Rahmen seines Programms für Kulturrouten drei neue Routen zertifiziert. Die Themen dieser Routen sind der Musiker Niccolò Paganini, traditionelle Gesangspraktiken in Nordeuropa und die Reisen des mittelalterlichen Kaufmanns Pietro Querini.
Die Zertifizierung erfolgte im Rahmen des 15. Beratungsforums zu den Kulturrouten des Europarates unter dem Motto „Routen durch Zeit und Kulturen: Bildung für ein nachhaltiges Kulturerbe“, das vom 22. bis 25. September in Jerewan stattfindet.
Die Veranstaltung wurde gemeinsam vom Erweiterten Teilabkommen über Kulturrouten des Europarates und dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Sport der Republik Armenien organisiert und umfasste Diskussionen, Workshops, eine Feierstunde für die Kulturrouten, die 2026 zertifiziert wurden, sowie die Verleihung von Auszeichnungen für inspirierende Praktiken im Bereich der Kulturerbe-Bildung. Rund 300 Teilnehmende setzten sich damit auseinander, wie Bildung und Kultur die gesellschaftliche und die nachhaltige Entwicklung sowie gemeinsame Werte fördern.
Drei neu zertifizierte Kulturrouten des Europarates
Die Europäische Paganini-Route, die Route des Gesangserbes und die Via Querinissima sind die neuen Kulturrouten des Jahres 2026:
Die Europäische Paganini-Route würdigt das Vermächtnis von Niccolò Paganini (1782–1840), des berühmten Geigers aus Genua. Sie soll Paganinis kulturelle Bedeutung anerkennen und zum interkulturellen Dialog auf der Grundlage der Musik beitragen. Das Netzwerk vereint öffentliche und private Organisationen, Konservatorien, Musikakademien, Universitäten und Kommunen.
Die Route des Gesangserbes verbindet die traditionellen Praktiken des gemeinschaftlichen Gesangs in Norwegen, Finnland, Estland, Lettland und Litauen. Diese Traditionen haben in der Vergangenheit – noch vor der Einführung der Schriftsprache – zur Bewahrung von Sprache, Kultur und Identität beigetragen. Ziel der Route ist es, die Erhaltung und Weitergabe dieser Traditionen durch nachhaltigen Kulturtourismus und regionale Entwicklung zu fördern. Sie verbindet relevante Stätten wie Museen, Archive, Bibliotheken, Festival-Schauplätze und traditionelle Siedlungen und bezieht dabei sowohl immaterielles als auch materielles Kulturerbe ein.
Die Via Querinissima folgt den Spuren der Reise des venezianischen Kaufmanns Pietro Querini von Kreta nach Brügge im Jahr 1431. Nachdem Stürme sein Schiff zum Kentern gebracht hatten, erreichten Querini und seine Besatzung die norwegischen Lofoten, wo sie von Fischern gerettet und monatelang beherbergt wurden. Seine erhaltenen Berichte inspirierten den kulturellen Austausch zwischen Nord- und Südeuropa und stellten Gastfreundschaft, Solidarität, Wissen und Begegnung in den Vordergrund.
Die 1987 vom Europarat ins Leben gerufenen Kulturrouten sind lokale Netzwerke historischer Stätten, die durch bestimmte Themen miteinander verbunden sind. Sie dienen als Bindeglied für den interkulturellen Dialog und fördern eine bessere Kenntnis und ein besseres Verständnis der europäischen Geschichte. Im Jahr 2026 gibt es 52 Kulturrouten des Europarates, die sich über mehr als 60 Länder erstrecken; die älteste davon sind die Jakobswege, die 1987 eingeweiht wurden.
Weitere Informationen zu den Tätigkeiten des Europarates im Bereich Kulturerbe [EN]

