Zurück „Glücklich jene, die die Landgötter kennen!“ – Vergil

Entfliehen Sie diesen Sommer aus dem Dunst der Großstadt und tauchen Sie ein in die europäische ländliche Idylle – auf den „Weiderouten“, einem Wegenetz der Kulturrouten des Europarates
Schafherde auf einer Weideroute am Stadtrand von Rom  | ©Enza Valenti

Schafherde auf einer Weideroute am Stadtrand von Rom | ©Enza Valenti

Laut Weltorganisation für Tourismus werden Millionen Europäer im Sommer Wander- oder Trekkingurlaube unternehmen. Da diese Aktivität immer mehr im Trend liegt, verzeichnen Reiseziele wie die Alpen, die Dolomiten und der Balkan einen starken Zuwachs an Touristenströmen. Wir stehen vor einer seltsamen Gegensätzlichkeit: Wanderurlaube sind gleichzeitig modern, ja sogar en vogue, und doch auch sehr alt.

Begeben Sie sich also auf die Weiderouten, eine der Kulturrouten des Europarates. Unter Weiderouten gemeint sind hier die von Herdetieren wie Kühen und Schafen benutzten Wege und Pfade zu den verschiedenen Weidegebieten im Jahreskreis. Oftmals bedeutet dies, dass ein Ziegen-, Schaf- oder Kuhhirte die Tiere von den Winterweiden in tieferen Lagen zu den Sommer- oder Almweiden auf Hügeln oder in den Bergen treibt. Manchmal sind dabei beträchtliche Entfernungen zurückzulegen. Wir haben es hier mit einer effizienten und nachhaltigen Art der Tierhaltung zu tun.

Mit Pan und dem alten Silvanus in der ländlichen Idylle

Die Weiderouten sind authentische Routen, die von Herden in Europa und Mexiko genutzt werden und eine erstaunliche Vielfalt an Landschaften erschließen. Sie ermöglichen es Ihnen, auf den Spuren der Hirten zu wandeln.

Und wir meinen wirklich „Spuren“. Diese Wege sind über Jahrtausende hinweg durch das ständige Zusammenspiel von Mensch und Natur entstanden. Von den frühesten von Herden gezähmter Nutztiere begangenen Wegen vor 7.000 Jahren, die sich an die Mittelmeerküste schmiegten und die Tiere in die angrenzenden Hügel trieben, über die ersten gesetzlich geschützten Weiderouten – die cañadas reales in Spanien – bis hin zu den heutigen Weiderouten des Europarats: Die Routen leben an der Grenze zwischen bewohntem und unbewohntem Gebiet und erzählen uns etwas darüber, wer wir als Europäer sind.

Die Routen zielen darauf ab, die europäische Identität und Integration zu fördern, stellen sie doch ein gemeinsames kulturelles Erbe sowohl Nord- als auch Südeuropas dar. So entsteht ein Netz kultureller Verbindungen zwischen Routen mit ähnlicher Geschichte, wodurch eine Kulturlandschaft aus Weiden und Wiesen bewahrt und und mit neuem Leben erfüllt wird.

Wenn Sie diesen Sommer verreisen, ziehen Sie doch einmal in Erwägung, eine der Kulturrouten des Europarats in Ihren Urlaub einzuplanen. Entfliehen Sie dem Alltag auf Hirtenpfaden, die bis in die mittlere Steinzeit zurückreichen. Oder, falls die Weiderouten nicht so ganz Ihr Ding sind, entdecken Sie doch einige der anderen Kulturrouten des Europarats, wie die Route der Phönizier, die Europäische Keramikstraße und die Route der historischen Cafés. Jede einzelne davon bietet unzählige Urlaubserlebnisse.

Und ein Ausflug ins Grüne tut immer gut. Das ist schließlich eine Wahrheit, die schon seit Vergils Zeiten Gültigkeit besitzt.


 Der Europarat und seine Arbeit zum Erhalt des Kulturerbes


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