Bei den Europäischen Tagen des Denkmals (EHD) werden Menschen aus ganz Europa zusammenkommen, um einer dringenden, den gesamten Kontinent betreffenden Aufgabe zu begegnen: dem Schutz des bedrohten Kulturerbes. Unter dem Motto „Gefährdetes Kulturerbe: Wiederbeleben, Widerstand leisten, neu denken“ werden die Denkmaltage in diesem Jahr sowohl die Bedrohungen für das Europäische Kulturerbe als auch die inspirierenden Initiativen hervorheben, die darauf abzielen, es zu bewahren, zu revitalisieren und neu zu erfinden. Bei Tausenden Veranstaltungen in ganz Europa werden lokale Gemeinschaften zeigen, wie sie das Kulturerbe vor Bedrohungen schützen, um es an künftige Generationen weiterzugeben.
Klima, Konflikte, Urbanisierung und viele andere Bedrohungen
Europas Kulturschätze sind zunehmend Gefahren im Zusammenhang mit dem Klimawandel, Umweltkatastrophen und Konflikten ausgesetzt. Sie sind auch durch das rasante Tempo der Veränderungen, das Verschwinden traditioneller Lebensstile und unsere Gleichgültigkeit bedroht. Wenn wir nicht rasch und entschlossen handeln, laufen viele dieser unersetzlichen Güter Gefahr, für zukünftige Generationen verloren zu gehen.
Ein eklatantes Beispiel ist der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, der an Hunderten von Kulturerbestätten des Landes verheerende Schäden angerichtet hat. Heute hat das Schadensregister des Europarates für die Ukraine eine neue Antragskategorie eingeführt, die Beschädigungen, Zerstörungen oder den Verlust von Objekten oder Gebäuden von kulturellem Wert abdeckt. Der ukrainische Staat und juristische Personen können nun diese Ansprüche geltend machen, um künftig eine Entschädigung zu erhalten.
Höhepunkte der Denkmaltage 2026
Die diesjährige Ausgabe der Europäischen Tage des Denkmals wird Bürgerinnen und Bürger, Fachleute und Gemeinschaften mobilisieren, die das gefährdete Kulturerbe schützen, revitalisieren und neu interpretieren wollen. In allen teilnehmenden Ländern wird ein reichhaltiges und abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm darauf abzielen, die Beteiligung der Öffentlichkeit und das kollektive Bewusstsein zu fördern.
Zu den geplanten Veranstaltungen zählen in Spanien und Ungarn koordinierte Führungen an Kulturerbestätten, die dazu einladen, das Leben von Frauen des Mittelalters zu entdecken, die eine wichtige Rolle in der Diplomatie und dem Aufbau von Frieden gespielt haben; so werden durch eine gemeinsame Erzählung, die sich auf Regierungsführung, Dialog und kulturellen Austausch konzentriert, Verbindungen zwischen historischen Stätten in verschiedenen europäischen Ländern hergestellt. In Brüssel zeigt ein immersives Erlebnis in einer ehemaligen Brauerei, wie das industrielle Erbe durch künstlerische Kreativität und die Mobilisierung der lokalen Bevölkerung neu erfunden werden kann. In Kroatien werden partizipative Aktivitäten den Menschen einer ländlichen Region ermöglichen, die Tradition der „Wache der Heiligen“ wiederzuentdecken und die Geschichte und Bedeutung dieser Kapellen und anderer Andachtsstätten kennenzulernen, die fester Bestandteil der Landschaft sind.
Indem sie die Aufmerksamkeit auf das „gefährdete Kulturerbe“ lenken, zielen die diesjährigen Denkmaltage darauf ab, die Menschen zu sensibilisieren, aber auch zum Handeln zu ermutigen. In Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Faro-Konvention werden Veranstaltungen in ganz Europa die Rolle der Kulturgemeinschaften bei der Identifizierung, Bewahrung und Weitergabe des Kulturerbes hervorheben. Außerdem werden traditionelles Wissen, innovative Ansätze im Bereich des Denkmalschutzes und kreative Lösungen vorgestellt, die dazu beitragen, das Erbe für zukünftige Generationen zu schützen und zu revitalisieren.
Die Europäischen Tage des Denkmals rufen die Menschen dazu auf, sich für den Erhalt des Kulturerbes einzusetzen, das ihnen am Herzen liegt, und stärken so die demokratische Teilhabe, den sozialen Zusammenhalt und den interkulturellen Dialog in ganz Europa.
Die Europäischen Tage des Denkmals wurden 1985 in Frankreich ins Leben gerufen und sind seit 1999 eine gemeinsame Initiative des Europarates und der Europäischen Union. Indem sie den Menschen in Europa die Möglichkeit bieten, im Rahmen thematischer Veranstaltungen ein breites Spektrum an kulturellen Schätzen zu erkunden, bringen die Denkmaltage vergessene Geschichten von Menschen und Orten ans Licht, die die Kultur und das Kulturerbe Europas mitgeprägt haben. Jedes Jahr steht dabei ein Thema im Mittelpunkt, das alle teilnehmenden Länder für ihr Programm übernehmen sollen.
Verschiedene Bezeichnungen für eine Initiative
Die Europäischen Tage des Denkmals werden in mehr als 50 europäischen Ländern unter verschiedenen Bezeichnungen begangen, darunter Open Monumentendag (Belgien und Niederlande), Tag des offenen Denkmals (Deutschland), Muinsuskaitsepäevade (Estland), National Heritage Week (Irland), Kulturminnedagene (Norwegen), Tag des Denkmals (Österreich), Kulturarvsdagen (Schweden), Kulturális Örökség Napjai (Ungarn) und Heritage Open Days, Open House London, Doors Open Days et Drysau Agored (Vereinigtes Königreich).
Weitere Informationen über die Europäischen Tage des Denkmals

