Europa muss sich jetzt auf die planmäßige Verlagerung von Häusern, Unternehmen und Infrastruktur aus Küstengebieten vorbereiten, die zunehmend erosionsgefährdet sind. Die lokalen Gebietskörperschaften müssen vorausschauend handeln und die Lebensgrundlagen, die Küstenlandschaft und die Gemeinden, die in Gefahr sind, schützen, betonte der Kongress der Gemeinden und Regionen des Europarates in einer Entschließung und Empfehlung, die er auf seiner 51. Sitzung in Straßburg verabschiedet hat.
Bei der Präsentation ihres Berichts mit dem Titel „Wie kann man der Küstenerosion begegnen?“ wiesen die Ko-Berichterstatter Anthony Buchanan (Vereinigtes Königreich, ILDG) und Fanis Spanos (Griechenland, EPP/CCE) darauf hin, dass in 28 Ländern Europas der wirtschaftliche Schaden durch Küstenerosion 1 Mrd. Euro pro Jahr übersteigt und bis zum Ende des Jahrhunderts 800 Mrd. Euro pro Jahr erreichen könnte, wenn keine wirksamen Maßnahmen ergriffen werden.
Beinahe die Hälfte der europäischen Bevölkerung lebt in Küstennähe
„Die europäischen Küsten gehören zu unseren wertvollsten Schätzen. Sie beherbergen wichtige Infrastruktur, bieten die Grundlage bedeutender wirtschaftlicher Aktivität und sind das Zentrum von Kultur- und Naturerbe. Beinahe die Hälfte der europäischen Bevölkerung lebt in Küstennähe. Heute leidet mehr als ein Viertel der europäischen Küste unter Erosion. Die anhaltende Präsenz in Hochrisikogebieten gefährdet Familien, Lebensgrundlagen und Kulturerbe und wirft Bedenken hinsichtlich der Menschenrechte auf Leben, Privatsphäre und Eigentum auf“, erklärte Spanos.
„Der Schutz der europäischen Küsten mit traditionellen Methoden wie Deichen wird immer weniger realisierbar, da sich der Anstieg des Meeresspiegels in den letzten Jahren verdoppelt hat und bis 2100 voraussichtlich um weitere 44 cm erhöhen wird, während Stürme an Intensität und Häufigkeit zunehmen und extreme Sturmfluten bis 2050 wahrscheinlich 20- bis 30-mal häufiger auftreten werden“, so Buchanan.
Geplanter Rückzug aus gefährdeten Küstengebieten erforderlich
In dem Bericht weisen die Ko-Berichterstatter darauf hin, dass an vielen europäischen Küsten dringend ein „geplanter Rückzug“ begonnen werden muss, in dessen Rahmen neue Baumaßnahmen verboten oder eingeschränkt werden und Häuser, Unternehmen und Infrastruktur – einschließlich Straßen und Schienen –-in weiter im Landesinneren gelegene Gebiete verlagert werden, die gegenüber dem Klimawandel widerstandsfähiger sind.
Beispielsweise schätzt Frankreich, dass sich etwa 900 Kilometer kontinentale Küste zurückziehen, was mehr als 500 Gemeinden betrifft. In Quiberville-sur-Mer ermöglichte eine Investition von 9 Mio. Euro die Verlegung eines öffentlichen Campingplatzes ins Landesinnere; dem Bericht zufolge stiegen daraufhin die kommunalen Einnahmen um 25 %. (weiter)
Kongress der Gemeinden und Regionen des Europarates [EN]
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