Zurück Vor dem Schlusspfiff

Erklärung von Alain Berset, Generalsekretär des Europarats, anlässlich des Weltmeisterschaftsfinales
Alain Berset betont, dass die Lösungen für die im Sport auftretenden Probleme in der Regel über internationale Zusammenarbeit und verbindliche Regeln gefunden werden

Alain Berset betont, dass die Lösungen für die im Sport auftretenden Probleme in der Regel über internationale Zusammenarbeit und verbindliche Regeln gefunden werden

Ein WM-Finale ist eines der wenigen Feste, die praktisch den ganzen Planeten in ihren Bann ziehen können. Dieses hinterlässt jedoch den Eindruck als bedürfe es noch eines Nachspiels.

Die FIFA-Weltmeisterschaft 2026 wirft nämlich eine ganze Reihe von Fragen auf.

Eine unter Druck innerhalb weniger Tage ohne jegliche Begründung ausgesetzte Strafe. Die Infragestellung der Autorität der Schiedsrichter. Rassistische Beleidigungen gegen Spieler, einige davon aus dem Munde gewählter Amtsträger. Wetten auf jeden Pass, jede Gelbe Karte, jede Ecke.

Das Fest geht heute Abend zu Ende. Die Fragen bleiben jedoch bestehen.

Die nächste Krise hat bereits begonnen. Sie trägt zwei Namen: Geld und Macht.

Man wettet nicht mehr nur auf das Ergebnis eines Spiels, sondern auch auf Aktionen, die ein Spieler ausführen kann, ohne dass dies den Spielstand beeinflusst. Man gewinnt eine Wette, indem man andere verlieren lässt. Das öffnet dem Betrug Tür und Tor. Und diese Weltmeisterschaft hat diese Tür noch weiter aufgestoßen. Zum ersten Mal zählt die FIFA ein Unternehmen aus dem Bereich der Prognosemärkte zu ihren offiziellen Partnern, das sogar in den Stadien präsent ist.

Auch politischer Einfluss reicht mittlerweile bis auf das Spielfeld. Eine Sanktion wurde während des Turniers ausgesetzt, nachdem ein Staatschef den FIFA-Präsidenten angerufen hatte. Wenn Regeln aufgrund von Druck umgangen werden, kann jedes Ergebnis in Frage gestellt werden.

Daher wende ich mich mit folgendem Vorschlag an die FIFA: Organisieren Sie eine dritte Halbzeit. Dabei ginge es darum, bereits heute Abend einen konstruktiven Dialog zu beginnen, um den Integritätsrahmen für die Weltmeisterschaft 2030 vorzubereiten.

Diese Vorgehensweise wendet der Europarat bereits seit langem an.

Als 1985 im Heysel-Stadion 39 Menschen ums Leben kamen, reagierten der Europarat und seine Mitgliedstaaten innerhalb von drei Monaten mit der Verabschiedung eines verbindlichen Vertrags zur Gewährleistung der Sicherheit der Zuschauer. Dieser Rahmen wurde seitdem ausgebaut und ist heute das Übereinkommen des Europarats über einen ganzheitlichen Ansatz für Sicherheit, Schutz und Dienstleistungen bei Fußballspielen und anderen Sportveranstaltungen. 39 Staaten haben es unterzeichnet.

Als Doping die Gesundheit der Sportler bedrohte, haben wir das Übereinkommen gegen Doping ausgearbeitet, das in 52 Staaten in Kraft ist. Als Spielmanipulationen in den europäischen Ligen grassierten, haben wir das Übereinkommen des Europarats über die Manipulation von Sportwettkämpfen verabschiedet, das von dreiundvierzig Staaten unterzeichnet wurde und bis heute der einzige verbindliche Vertrag zur Bekämpfung dieses Phänomens ist.

Auf jedes Problem hat der Europarat eine rechtliche Antwort gegeben. Seine Stärken: verbindliche Übereinkommen, 46 Mitgliedstaaten und 40 Jahre diesbezügliche Erfahrung, die es ihm ermöglichen, Krisen im Bereich des Sports in Regeln umzuwandeln.

Heute Abend wird der Schlusspfiff das Ende des Wettbewerbs markieren. Er sollte auch den Beginn der dritten Halbzeit markieren, nämlich für die dringend notwendigen Maßnahmen zur Stärkung der Integrität des Sports.

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Generalsekretär Strassburg 19. Juli 2026
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