Der vierzehnte Václav-Havel-Menschenrechtspreis, mit dem herausragendes zivilgesellschaftliches Engagement zur Verteidigung der Menschenrechte gewürdigt wird, geht an die iranische Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotudeh.
Der Preis wurde im Rahmen einer Zeremonie am Eröffnungstag der Herbstplenarsitzung der Parlamentarischen Versammlung des Europarates (PACE) in Straßburg verliehen.
Nasrin Sotudeh ist eine führende Menschenrechtsanwältin im Iran, die Aktivistinnen und Aktivisten, Journalistinnen und Journalisten, Angehörige von Minderheiten und Kinder vertreten hat, denen die Hinrichtung drohte, und sich gleichzeitig gegen Gesetze zur Hijab-Pflicht und die Todesstrafe eingesetzt hat – trotz wiederholter Verhaftungen, langjähriger Haftstrafen und erheblicher persönlicher Risiken. Im April 2026 wurde sie erneut verhaftet und im Mai 2026 gegen Kaution freigelassen, während weiterhin Sorge um ihre Sicherheit und im Hinblick auf das allgemeine harte Vorgehen gegen unabhängige Rechtsanwältinnen und -anwälte und Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten herrscht.
In einer Videobotschaft aus Teheran drückte Sotudeh die tiefe Freude aus, die sie bei der Nachricht über diese Auszeichnung empfand:
„In Momenten wie diesem erinnern wir uns an vergangene Kämpfe, besinnen uns auf unsere gemeinsamen Ideale und denken an all die Menschen auf der ganzen Welt, die uns unterstützen. So finden wir schließlich die gemeinsame Basis unserer Bestrebungen und sagen uns: Eines Tages werden sie Wirklichkeit. Eines Tages wird auch die Sonne der Freiheit auf unser Land scheinen. Vielleicht findet eines Tages auch die Wahrheit den Weg in unser Land.“
Ihre Tochter, Mehraveh Khandan Heris, war bei der Zeremonie anwesend und nahm den Preis in ihrem Namen entgegen.
Die Finalistinnen sowie die Gewinnerin von 2021 bei der Zeremonie
Die Kandidatinnen in der engeren Auswahl für den Preis 2026 waren die iranisch-amerikanische Journalistin, Autorin und Frauenrechtlerin Masih Alinejad, die zu einer der prominentesten Stimmen der iranischen Opposition im Exil geworden ist, und die ungarische Menschenrechtsanwältin Márta Pardavi, Co-Vorsitzende des Ungarischen Helsinki-Komitees, das sich seit Langem für die Achtung der Menschenrechte durch Strafverfolgungsbehörden und Justiz in ihrem Land einsetzt.
Die Preisträgerin des Jahres 2021, die belarussische Menschenrechtsaktivistin Maryja Kalesnikawa, die sich zum Zeitpunkt der Preisverleihung in Belarus in Gewahrsam befand, aber im Dezember 2025 freigelassen wurde, sprach ebenfalls vor der Versammlung.
Eröffnet wurde Zeremonie von der Präsidentin der Parlamentarischen Versammlung, Petra Bayr, die die drei Finalistinnen würdigte:
„Möge Ihr Beispiel Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger auf der ganzen Welt bestärken und die Regierungen an ihre Verantwortung erinnern. Und möge es uns alle dazu anregen, die Menschenwürde zu verteidigen: nicht nur mit Worten, sondern auch durch Taten.“
Das Vermächtnis Václav Havels
Der Václav-Havel-Menschenrechtspreis wird jedes Jahr von der Versammlung in Zusammenarbeit mit der Stiftung „Charta 77“ verliehen, um „herausragendes zivilgesellschaftliches Engagement zur Verteidigung der Menschenrechte in Europa und darüber hinaus zu würdigen“. Als Hommage wurde der Preis nach Václav Havel benannt, dem tschechischen Staatsmann, Schriftsteller, Dichter und Dissidenten, der der letzte Präsident der Tschechoslowakei und der erste der Tschechischen Republik war. Er ist mit einer Geldsumme von 60.000 Euro, einer Trophäe und einer Urkunde dotiert.
Zu den bisherigen namhaften Preisträgerinnen und Preisträgern seit der Gründung des Preises zählen unter anderem: Maksym Butkewytsch (2025), María Corina Machado (2024), Osman Kavala (2023), Ojub Titijew (2018), Nadia Murad (2016) und Ales Bjaljazki (2013).
Video der Preisverleihung (live und als Aufzeichnung)

