Noch vor seiner Mitgliedschaft schenkte das Fürstentum Liechtenstein dem Europarat vor fünfzig Jahren eine Kupferring-Skulptur. Das Geschenk war ein wichtiges Symbol auf dem Weg der fortlaufenden europäischen Integration des Landes. Aber was hat Liechtenstein dazu bewogen, dem Europarat beizutreten, zu einer Zeit, als einige fragten, ob kleine Staaten den Verpflichtungen aus der Mitgliedschaft in internationalen Organisationen nachkommen könnten?
Im Rahmen des Visibilitätsprojekts präsentieren wir die Geschichte von Liechtensteins Weg in den Europarat – ein Weg, der unerwartet mit einer Skulptur begann.
Hinter dem Lenkrad
Fünfzig Jahre nachdem Liechtenstein 1977 dem Europarat Georg Malins „Kupferring“ schenkte, kann die Skulptur als starkes Zeugnis dafür gelten, wie Kunst bisweilen Geschichte vorwegnehmen kann.
Für Georg Malin symbolisiert das Rad den ewigen Kreislauf des Lebens und die ständige Bewegung. Im Palais de l'Europe – dem Sitz des Europarates in Straßburg – hat es eine weitere Bedeutungsebene erhalten: eine passende Metapher für Liechtensteins Entschlossenheit, mit Europa in Bewegung zu bleiben und zur Bewältigung seiner gemeinsamen Aufgaben beizutragen. Angesichts neuer Fragen spiegelt sich das Bekenntnis dazu, mit Europa voranzukommen, heute im Neuen Demokratischen Pakt für Europa des Europarates wider, der darauf abzielt, die Widerstandsfähigkeit demokratischer Institutionen, Freiheiten und Werte zu stärken.
Anlässlich des Beitritts des Fürstentums im Jahr 1978 betonte der damalige Regierungschef, Hans Brunhart, dass der Beitritt Liechtensteins zum Europarat zweifellos der Beginn einer neuen Ära seiner Außenpolitik sei: „Eine Ära nicht nur der Akzentuierung unserer Eigenstaatlichkeit, sondern auch eine Ära der […] noch aktiveren Zusammenarbeit Liechtensteins mit seinen Nachbarn und den Ländern Europas.“
Alle Wege führen nach Straßburg
Die Aufnahme Liechtensteins in den Europarat ebnete den Weg für den Beitritt des Landes zu den Vereinten Nationen 1990 und zum Europäischen Wirtschaftsraum 1995, aber auch für andere Kleinstaaten, die der Organisation später beitraten (San Marino 1988, Andorra 1994 und Monaco 2004).
Heute, fast ein halbes Jahrhundert später, empfängt die Skulptur weiterhin Delegierte im Plenarsaal der Parlamentarischen Versammlung, wo Malin selbst Mitglied der parlamentarischen Beobachterdelegation Liechtensteins beim Europarat war, als er von 1966 bis 1974 dem liechtensteinischen Landtag angehörte. In diesem Sinne könnte man sagen, dass sich der Kreis schließt.

