Laut dem Jahresbericht der GREVIO für das Jahr 2025 haben die europäischen Länder bei der Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen wichtige Fortschritte erzielt, gleichzeitig hinken die Maßnahmen zur Verhütung von Gewalt vor ihrem Auftreten weiterhin anderen Bereichen nationaler Politik hinterher.
Die GREVIO – die unabhängige Expertengruppe des 46 Mitgliedsstaaten zählenden Europarates, die für die Überwachung der Umsetzung des Übereinkommens zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt (Istanbul-Konvention) zuständig ist – stellte fest, dass die Staaten bei der Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen wichtige Fortschritte erzielt haben, aber konsequente Investitionen in die Prävention der Schlüssel zu besseren Ergebnissen sind.
Dies ist der siebente Gesamtbericht der GREVIO, der ihre Tätigkeit von Januar bis Dezember 2025 abdeckt. Er gibt einen Überblick über die Entwicklungen bei der Umsetzung des Vertrags, wobei ein Schwerpunktabschnitt der Primärprävention gewidmet ist: Maßnahmen zur Bekämpfung von Einstellungen, Stereotypen, Verhaltensweisen und Ungleichheiten, die die Entstehung von Gewalt ermöglichen.
Fortschritte bei Gesetzen, Dienstleistungen und Zusammenarbeit
Dem Bericht zufolge bringen immer mehr Vertragsparteien ihre Rechtsvorschriften mit den Anforderungen des Vertrags in Einklang. Zu den Fortschritten zählen die Kriminalisierung psychischer Gewalt, die Verabschiedung einwilligungsbasierter Definitionen von Vergewaltigung und stärkere Reaktionen auf Gewalt in der Partnerschaft.
Die GREVIO beobachtete zudem die Einrichtung einer größeren Anzahl spezialisierter Unterstützungsdienste und Verbesserungen in der Zusammenarbeit zwischen relevanten Institutionen. Gewalt gegen Frauen werde zunehmend als Menschenrechtsverletzung anerkannt.
Im Laufe des Jahres 2025 veröffentlichte die GREVIO ihren Basisbewertungsbericht über das Vereinigte Königreich und sieben erste thematische Bewertungsberichte über andere Vertragsparteien des Übereinkommens. Außerdem führte sie neun Länderbewertungsbesuche durch und leitete ihr Basisbewertungsverfahren hinsichtlich der Europäischen Union ein.
Prävention bleibt Schwachstelle
Trotz der Fortschritte habe die Überwachungsarbeit der GREVIO „durchweg gezeigt, dass die Primärprävention weiter einer der schwächsten Aspekte der nationalen Maßnahmen ist“, so GREVIO-Präsidentin Maria-Andriani Kostopoulou.
Sensibilisierungskampagnen seien wertvoll, betont der Bericht, könnten aber allein die sozialen Normen, Verhaltensweisen und ungleichen Machtverhältnisse, die der Gewalt zugrunde liegen, nicht ändern. Wirksame Prävention erfordere langfristige, angemessen finanzierte und evidenzbasierte Maßnahmen in Schulen, am Arbeitsplatz, in Gemeinden, in den Medien und im digitalen Bereich.
Darüber hinaus stellte die GREVIO eine anhaltende Vermischung von Primärprävention, Frühintervention und Maßnahmen zur Reaktion auf bereits aufgetretene Gewalt fest. Speziell für die Primärprävention bereitgestellte Mittel seien schwer zu identifizieren, während Programme häufig eingeführt würden, ohne sorgfältig zu bewerten, ob sie Gewalt reduzieren und das Verhalten im Laufe der Zeit verändern. (weiter)

