Zuverlässige Informationen ermöglichen es den Bürgerinnen und Bürgern, am öffentlichen Leben teilzunehmen, doch Desinformation, Propaganda, selektive Darstellungen und irreführende, von KI generierte Inhalte können ihr Verständnis der Fakten verzerren und die Demokratie schwächen. Vor diesem Hintergrund kann ein qualitativ hochwertiger Geschichtsunterricht den Lernenden helfen, vergangene Ereignisse in den entsprechenden Kontext einzuordnen, ihr kritisches Denken zu schulen und sich für unterschiedliche Sichtweisen zu öffnen.
„Unsere beste Verteidigung bleibt das kritische Denken. Die Geschichte ist in dieser Hinsicht die beste Schule. Sie lehrt uns, eine Darstellung zu hinterfragen und Fakten von Interpretationen zu unterscheiden. Und genau darin liegt auch das Wesen der Demokratie: freie Geister, die in der Lage sind, selbstständig zu denken“, erklärte der Generalsekretär des Europarates, Alain Berset, bei der Eröffnung der Jahreskonferenz der Beobachtungsstelle für den Geschichtsunterricht in Europa (OHTE) des Europarates.
Im Rahmen des Neuen Demokratischen Pakts für Europa des Europarates befasste sich die diesjährige Konferenz mit der Frage, wie ein qualitativ hochwertiger Geschichtsunterricht dazu beitragen kann, den demokratischen Rückschritt zu verhindern. In einer Zeit, in der verzerrte Darstellungen der Geschichte und emotional aufgeladene Narrative die öffentliche Meinung beeinflussen können, diskutierten die Teilnehmenden über deren Auswirkungen auf das Vertrauen, die politische Debatte und die demokratischen Institutionen.
Geschichtsunterricht – ein wesentliches Mittel zum Schutz der Demokratie
Die Teilnehmenden betonten, dass die jüngsten Wahlkämpfe in Europa gezeigt hätten, wie schnell die öffentliche Meinung durch die Verzerrung historischer Ereignisse, vereinfachende Darstellungen und Sensationsmache beeinflusst werden kann. Von retuschierten Fotos bis hin zu KI-generierten „historischen“ Bildern – die Manipulation der Geschichte könne das Vertrauen in demokratische Institutionen untergraben.
Medienkompetenz und demokratisches Bürgerbewusstsein seien unerlässlich, um dem Missbrauch der Geschichte entgegenzuwirken. Auf der Grundlage der Normen des Europarates könne Bildung – und insbesondere der Geschichtsunterricht – kritisches Denken, Inklusion und den Dialog über Gräben hinweg fördern.
Hass bleibt Hass, ganz gleich, auf welche Weise er sich verbreitet
Im Rahmen eines OHTE-Talks untersuchte die australische Professorin für Geschichte und Philosophie Marnie Hughes-Warrington die Auswirkungen digitaler Werkzeuge und künstlicher Intelligenz auf die Art und Weise, wie Geschichte erforscht, gelehrt und verstanden wird.
„Die schnelle Produktion von Darstellungen durch KI – in potenziell großen Mengen und zu relativ geringen Kosten – kann zur Verbreitung falscher und schädlicher Behauptungen beitragen. Hass bleibt Hass, ganz gleich, auf welche Weise er verbreitet wird. Es gibt keine bessere Antwort auf Hass, als gemeinsam Geschichte zu lehren. Gemeinsam verfügen wir über den Einfallsreichtum, die Achtsamkeit und die Kraft, KI-basierte Darstellungen weiterzuentwickeln und sicherzustellen, dass sie dem Gemeinwohl dienen“, erklärte sie.
An der Konferenz nahmen politisch Verantwortliche, Lehrkräfte, Forschende und junge Menschen teil. Dabei wurde erneut bekräftigt, dass der Geschichtsunterricht ein wesentliches Mittel zum Schutz der Demokratie darstellt und es den Bürgerinnen und Bürgern ermöglicht, die aktuellen Herausforderungen zu verstehen und eine Zukunft zu gestalten, die auf sachlicher Genauigkeit, Pluralismus und der Achtung der Menschenwürde beruht.
Die Jahreskonferenz 2026 wird vom Europarat mit finanzieller Unterstützung Frankreichs und Andorras sowie in Partnerschaft mit der Region Grand-Est, der Europäischen Gebietskörperschaft Elsass sowie der Stadt und der Eurometropole Straßburg organisiert.
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Die Beobachtungsstelle für den Geschichtsunterricht in Europa ist ein Erweitertes Teilabkommen des Europarates, dessen Aufgabe es ist, eine qualitativ hochwertige Bildung zu fördern, um das Verständnis der demokratischen Kultur zu verbessern. Sie liefert ein klares Bild vom Stand des Geschichtsunterrichts in ihren Mitgliedsstaaten, das auf zuverlässigen Daten und Fakten über die Art und Weise, wie Geschichte gelehrt wird, durch allgemeine und thematische Berichte beruht.
Weitere Informationen über die Arbeit der Beobachtungsstelle für den Geschichtsunterricht [EN]

