Zurück

Eltern gewinnen Kampf um Gerechtigkeit nach Tod des Sohnes

Šilih gegen Slowenien  | 2009

Eltern gewinnen Kampf um Gerechtigkeit nach Tod des Sohnes

Meine Frau und ich haben 16 Jahre unseres Lebens geopfert. Nach 16 Jahren Gerichtsprozesse haben wir bewiesen, dass wir Recht hatten.

Ivan Šilih, Vater von Gregor Šilih, nach dem Urteil des Straßburger Gerichtshofs. Berichtet von Delo - © Foto STA

Hintergrund

Gregor Šilih war 20 Jahre alt, als er sich wegen Juckreiz und Übelkeit in ein Krankenhaus begab. Ohne vorherige Untersuchung injizierten ihm die Ärzte zwei Wirkstoffe. Gregor erlitt einen anaphylaktischen Schock. Sein Zustand war zwei Wochen lang kritisch; dann verstarb er.

Gregors Eltern waren der Überzeugung, sein Tod sei das Ergebnis nachlässiger medizinischer Praktiken, die verheimlicht wurden. Sie reichten Klage gegen das Krankenhaus ein, um herauszufinden, was geschehen war.

Sechzehn Jahre später hatten die slowenischen Gerichte immer noch nicht über den Fall entschieden. Dies machte es Gregors Eltern unmöglich, den Grund für den Tod ihres Sohnes zu erfahren und ob man irgendeine Person zur Verantwortung ziehen sollte.

Urteil des EGMR

Laut der Europäischen Menschenrechtskonvention sind die Staaten verpflichtet, ein wirksames unabhängiges Justizsystem einzurichten, damit die Todesursache von Patienten ermittelt werden kann.

Der Gerichtshof entschied, die slowenischen Behörden seien dieser Verpflichtung im Fall Šilih nicht nachgekommen. Sechzehn Jahre nach Beginn des Verfahrens hätten die Eltern von Gregor immer noch keine Klarheit darüber, was ihrem Sohn zugestoßen sei.

Heute ist der Tag des Sieges.

Franja Šilih, Mutter von Gregor Šilih, nach der Einigung ihres Falles in Slowenien. Berichtet von Svet24

Nachbereitung

Die Regierung und das Krankenhaus erzielten eine Einigung mit Gregors Eltern. Ein Vertreter des Krankenhauses bekundete sein größtes Bedauern für den Verlust von Gregors Leben und beklagte die Tatsache, dass sein Tod im Rahmen einer medizinischen Maßnahme erfolgte. Die Regierung stimmte zu, das „Šilih-Projekt” zu gründen, um eine Wiederholung ähnlicher Fälle zu verhindern.

Das Šilih-Projekt führte zu einigen Reformen, um Unfälle in Krankenhäusern zu verhindern und um dazu beizutragen, sichere und wirksame Behandlungen zu erhalten. Es führte außerdem zu Änderungen des Gerichtsverfahrens, um die Verantwortung für Todesfälle und schwere Verletzungen zu bestimmen, die im Rahmen medizinischer Behandlungen auftreten.

Die Reformen schließen Änderungen von Gesetzen, zahlreiche Entscheidungen slowenischer Gerichte, die die Standards aufrechterhalten, die im Urteil des EGMR im Fall Šilih enthalten sind, sowie eine Reihe von Verwaltungsmaßnahmen der slowenischen Regierung ein.


Ähnliche Beispiele

Reform des Waffengesetzes nach tödlichem Schuss der Polizei auf unbewaffnete Männer

Zwei 21-Jährige hatten sich dem Wehrdienst entzogen, um ihre Großmutter zu besuchen. Als die Militärpolizei eintraf, waren beide Männer unbewaffnet, nicht gewalttätig und versuchten zu fliehen. Dessen ungeachtet wurden sie erschossen. Der Straßburger Gerichtshof entschied, die Militärpolizei habe in eklatanter Weise exzessive Gewalt eingesetzt. Dieser Fall und weitere Fälle führten zur Änderung...

Read more

Tod eines mutmaßlichen Opfers von Menschenhandel

Im Alter von 20 Jahren wurde Oxana Rantseva mutmaßlich von Russland nach Zypern verbracht, um dort sexuell ausgebeutet zu werden. Zwei Wochen später fand man ihre Leiche unterhalb eines Balkons, über den sie versucht hatte zu fliehen. Der Straßburger Gerichtshof kam zu dem Schluss, die Behörden hätten versäumt, sie zu schützen und ihren Tod ordnungsgemäß zu untersuchen. Nach den Ereignissen...

Read more

Versäumnis, den Tod eines behinderten Mannes in Polizeigewahrsam zu untersuchen, führt zu Reformen

Valdis Jasinskis war gehörlos. Er fiel einige Stufen in der Nähe einer Party hinab und schlug mit dem Kopf auf. Die Polizei wurde über seine Verletzung und seine Behinderung informiert, er wurde aber von der Polizei eingesperrt und seine Kommunikationsversuche wurden ignoriert. Herr Jasinskis starb später im Krankenhaus, und der Zwischenfall wurde nicht ordnungsgemäß untersucht. Dies führte zu...

Read more

15-year-old boy stabbed to death outside a school after authorities failed to act15-jähriger Junge außerhalb einer Schule erstochen, nachdem die Behörden nicht gehandelt hatten

Der Direktor einer Schule hatte um Polizeipräsenz außerhalb der Schultore gebeten, weil es erhebliche Probleme zwischen Jugendlichen gab. Er erhielt keinerlei Hilfe. Der 15-jährige Sedat Kayak wurde vor der Schule von einem älteren Schüler erstochen. Der Europäische Gerichtshof entschied, die Behörden seien nicht ihrer Verpflichtung, die Kinder zu schützen, nachgekommen. Der Fall führte zu...

Read more

Tod eines Häftlings führt zu Änderungen der medizinischen Betreuung im Gefängnis

Ein junger Mann, der an Psychosen und Depression litt, wurde wegen Diebstahls inhaftiert. Während er im Gefängnis saß, beging er Suizid. Der Straßburger Gerichtshof entschied, die Behörden hätten keine ausreichenden Maßnahmen ergriffen, um sein Leben zu schützen. Neue Vorschriften wurden erlassen, um Justizvollzugsbeamten zu helfen, Suizide von Häftlingen zu verhindern.

Read more

„Vollkommen unzureichende” Ermittlungen in verdächtigem Todesfall und Reform von Strafermittlungen

Tatiana Trufins Bruder kam unter verdächtigen Umständen zu Tode. Ungeachtet der Beweise für einen Angriff führten die Behörden 12 Jahre lang kaum Ermittlungen durch. Der Straßburger Gerichtshof entschied, ihre Bemühungen seien vollständig unzureichend gewesen. Dies beeinflusste Reformen zur Verbesserung der Wirksamkeit von Strafermittlungen in Rumänien.

Read more