Zurück Der Europarat fordert Norwegen auf, den Schutz von Minderheitensprachen weiter zu stärken

Der Europarat fordert Norwegen auf, den Schutz von Minderheitensprachen weiter zu stärken

Zwar sind in Norwegen positive Entwicklungen beim Schutz von Minderheitensprachen zu verzeichnen, doch sind weiterhin dringende Maßnahmen erforderlich, um die Sprachen zu schützen, die sich in der prekärsten Lage befinden. Zu diesem Schluss kommt ein neuer Prüfbericht, der vom Sachverständigenausschuss der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen veröffentlicht wurde und eine Stellungnahme der norwegischen Behörden enthält.

Norwegen war 1993 der erste Staat, der die Charta ratifiziert hat, und seit ihrem Inkrafttreten 1998 gilt die Charta für folgende Sprachen: Kvenisch, Lulesamisch, Nordsamisch, Romanes, Romani und Südsamisch.

Der Ausschuss begrüßt mehrere positive Schritte, darunter die Weiterentwicklung des rechtlichen Rahmens, die das Engagement für den weiteren Schutz und die Förderung von Regional- und Minderheitensprachen in Norwegen verdeutlichen. Der Ausschuss stellt indes fest, dass die am weitesten verbreitete samische Sprache, das Nordsamische, sich nach wie vor in einer prekären Lage befindet und Lulesamisch und Südsamisch, die weniger Sprecher haben, vor noch größeren Herausforderungen stehen.

Zudem herrscht ein gravierender Mangel an Unterrichtsmaterialien für Sprecher des Lulesamischen und des Südsamischen, und es besteht die Notwendigkeit, die Lehrerausbildung für alle samischen Sprachen insgesamt zu stärken.

Der Ausschuss weist zudem darauf hin, dass Lulesamisch und Südsamisch vor Gericht nicht verwendet werden und im Umgang mit Verwaltungsbehörden nur selten zum Einsatz kommen. Daher empfiehlt er Norwegen, weitere Maßnahmen zu ergreifen, um die Verwendung dieser Sprachen vor Justiz- und Verwaltungsbehörden sowie in den Medien zu stärken.

Was Kvenisch betrifft, stellt der Ausschuss Fortschritte bei der Stärkung seiner Präsenz im öffentlichen Leben, bei kulturellen Tätigkeiten und im Bildungswesen fest. Dennoch empfiehlt der Ausschuss den Behörden, das Medienangebot in Kvenisch zu verbessern und weitere Maßnahmen zu ergreifen, um den Kvenischunterricht auf allen Bildungsebenen, insbesondere im Vorschul- und im Oberstufenbereich, auszuweiten.

Schließlich sind proaktive Maßnahmen zum Schutz von Romanes und Romani erforderlich. Diese Sprachen sind im öffentlichen Leben und in den Medien nahezu unsichtbar und werden im formalen Bildungswesen nicht unterrichtet.

Dieser 9. Prüfbericht stützt sich auf die politische und rechtliche Lage zum Zeitpunkt des Ortsbesuchs des Ausschusses in Norwegen im Oktober 2025. Die Charta zielt darauf ab, den Sprechern angestammter Regional- oder Minderheitensprachen die Verwendung dieser Sprachen sowohl im privaten als auch im öffentlichen Leben zu ermöglichen, und verpflichtet die Vertragsstaaten, den Gebrauch dieser Sprachen im Bildungswesen, vor Gericht, in der Verwaltung, in den Medien, im kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Leben sowie bei der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit aktiv zu fördern.

Zusammenfassung auf Norwegisch

 

Strasbourg, France 16/07/2026
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