Zurück Neue Leitlinien für Staaten zur Bekämpfung von „Cyber-Grooming“ von Kindern

Jeglicher sexueller Missbrauch von Kindern – unabhängig davon, ob er bei einem tatsächlichen Treffen erfolgte oder lediglich online begangen wurde – sollte unter Strafe gestellt werden, so eine neue Stellungnahme des Europarates zum Thema „Cyber-Grooming“, die heute in Straßburg vorgestellt wurde.

Die Stellungnahme wurde vom Lanzarote-Ausschuss verabschiedet, in dem alle 36 Staaten, die das rechtsverbindliche Übereinkommen des Europarates zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch (die Lanzarote-Konvention) ratifiziert haben, vertreten sind.

Laut dem Text wird die 2007 verfasste Lanzarote-Konvention den heutigen und vor allem den künftigen Herausforderungen im Hinblick auf Cyber-Grooming möglicherweise nicht gerecht: Die Definition von Kontaktaufnahme zu sexuellen Zwecken und ihre Abgrenzungen sind in der Konvention nicht eindeutig; manche Verhaltensweisen im Internet, die für Kinder traumatisch sein können, werden nicht explizit erwähnt.

Der Text des Übereinkommens ändert sich nicht, doch die Stellungnahme ist eine nützliche Leitlinie für Staaten, die bei der Bekämpfung von Cyber-Grooming einen Schritt weiter gehen und es unter Strafe stellen wollen. Die Verantwortung für die Ermittlung und Strafverfolgung von Cyber-Grooming sollte bei den Strafverfolgungsbehörden und der Strafgerichtsbarkeit liegen. Spezialisierte Nichtregierungsorganisationen können dabei Unterstützung leisten, sollten jedoch den Strafvollzug nicht ersetzen.

Das Dokument wurde bei dem gemeinsamen überregionalen Treffen auf hoher Ebene von UN und Europarat zum Schutz von Kindern vor sexueller Gewalt vorgestellt, das heute begonnen hat. Die Veranstaltung wurde von Gabriella Battani-Dragoni, Stellvertretende Generalsekretärin des Europarates, Marta Santos Pais, Sonderbeauftragte des UN-Generalsekretärs für Gewalt gegen Kinder, und Maud de Boer-Buquicchio, UN-Sonderberichterstatterin über Kinderhandel, Kinderprostitution und Kinderpornografie, eröffnet.

Europarat Straßburg 18. Juni 2015
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