In einem neuen Bericht ruft die Expertengruppe für die Bekämpfung des Menschenhandels (GRETA) Liechtenstein auf, die Identifizierung von Menschenhandelsopfern zu verbessern und die Anstrengungen zur Verhütung und Bekämpfung von Menschenhandel zum Zweck der Ausbeutung der Arbeitskraft zu verstärken.
Während im Zeitraum 2018–2023 neun mutmaßliche Menschenhandelsopfer (acht Frauen und ein Mann) von der Polizei entdeckt worden seien, sei keines formell als Opfer identifiziert worden. Die GRETA fordert die liechtensteinischen Behörden auf, dafür zu sorgen, dass die Identifizierung von Opfern in der Praxis nicht von den Aussichten auf eine erfolgreiche Ermittlung und Strafverfolgung abhängig gemacht wird. Die Behörden sollten zudem der Identifizierung von Menschenhandelsopern unter Asylsuchenden und Migranten erhöhte Aufmerksamkeit widmen.
In dem Bericht wird die Notwendigkeit unterstrichen, den Zugang von Menschenhandelsopfern zur Justiz zu verbessern, insbesondere indem ihnen zu einem frühen Zeitpunkt rechtliche Unterstützung bereitgestellt und sichergestellt wird, dass sie über ihre Rechte, wie das Recht auf eine Erholungs- und Bedenkzeit und das Recht auf Entschädigung, informiert werden.
Die GRETA hebt auch die Notwendigkeit verbesserter Ermittlungen und Strafverfolgungen hervor, die sich nicht hauptsächlich auf die Aussage der Opfer stützen.
Darüber hinaus fordert die GRETA die liechtensteinischen Behörden nachdrücklich auf, die Arbeitsaufsichtsbehörde mit ausreichend Personal und Ressourcen auszustatten, um ihr die Durchführung von Inspektionen in Risikosektoren wie dem Baugewerbe, dem Gastgewerbe und der Pflege zu ermöglichen. Die Behörden sollten außerdem den Rechtsschutz für Hausangestellte und Pflegekräfte erhöhen, indem sie das Arbeitsrecht auf alle diese Arbeitnehmenden anwenden und die Bedingungen für den Zugang der Aufsichtsbehörde zu Privathaushalten ausarbeiten.

