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Inhaftierungsrate in Europa sinkt weiter: Veröffentlichung der Jährlichen Strafstatistik des Europarates

Europarat Strassburg 8. April 2021
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Inhaftierungsrate in Europa sinkt weiter: Veröffentlichung der Jährlichen Strafstatistik des Europarates

Die Gesamtinhaftierungsrate (d. h. die Anzahl der Inhaftierten pro 100 000 Einwohner) ist 2020 in Europa erneut leicht gesunken, wodurch sich die seit 2013 abzeichnende Entwicklung bestätigt: So lautet eine Erkenntnis der Jährlichen Strafstatistik zur Gefängnispopulation für das Jahr 2020 des Europarates (siehe auch die wichtigsten Ergebnisse).

Am 31. Januar 2020 wurden 1 528 343 Insassen in 51 Gefängnisverwaltungen (von 52) der Mitgliedsstaaten des Europarates gezählt, was einer europäischen Inhaftierungsrate von 103,2 Insassen pro 100 000 Einwohner entspricht. In den 50 Gefängnisverwaltungen, für die sowohl für 2019 als auch 2020 Daten zur Verfügung stehen, fiel die Rate von 106,1 auf 104,3 Insassen pro 100 000 Einwohner (–1,7 %). Seit 2013, wo sie den Höchststand von 131 Insassen pro 100 000 Einwohner erreichte, ist diese Rate jedes Jahr gefallen; der Gesamtrückgang zwischen 2013 und 2020 beträgt 20 %. Laut Professor Marcelo Aebi, dem Leiter des SPACE-Forschungsteams der Universität Lausanne, ist dieser Rückgang teilweise durch die Abnahme herkömmlicher Straftaten wie Diebstahl und Einbruch in diesem Zeitraum zu erklären, der nicht durch die Zunahme von Straftaten im Cyberspace kompensiert wurde, insbesondere Internetbetrug. Computerkriminalität führt zu weniger Verurteilungen, weil die Urheber/innen oft außerhalb des eigenen Hoheitsgebiets ansässig und schwer zu verfolgen und zu sanktionieren sind.

Die Länder mit den höchsten Inhaftierungsraten im Januar 2020 waren die Türkei (357 Insassen pro 100 000 Einwohner), Russland (356), Georgien (264), Litauen (220), Aserbaidschan (209), die Tschechische Republik (197), Polen (195), die Slowakische Republik (193) und Estland (184). Ohne Berücksichtigung von Ländern mit weniger als 300 000 Einwohnern wurden die niedrigsten Inhaftierungsraten in Island (45), Finnland (50), den Niederlanden (59) und Norwegen (59) festgestellt.

Drogendelikte waren weiterhin der häufigste Grund für Inhaftierungen in den 42 Gefängnisverwaltungen, die diese Daten zur Verfügung stellten (fast 260 000 Insassen, d. h. 17,7 % der Gesamtgefängnispopulation), gefolgt von Diebstahl (199 000 Insassen, 13 %) und Tötungsdelikten, einschließlich Tötungsversuchen (169 000, 12 %). Vier von 10 Insassen wurden wegen Gewaltdelikten verurteilt (Tötung, Körperverletzung, Vergewaltigung und andere Sexualstraftaten sowie Raubüberfälle).

***

Die SPACE-Studien werden jedes Jahr von der Universität Lausanne für den Europarat durchgeführt. Die SPACE-I-Studie enthält Informationen aus Gefängnisverwaltungen in den 47 Mitgliedsstaaten des Europarates, während sich die SPACE-II-Studie mit Personen befasst, die von Bewährungshilfeeinrichtungen betreut werden.


 Pressemitteilung
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