Leitlinien

Diese Übersetzung wurde angefertigt durch: Waltraud Hassler und Sibylle Plassmann, LAMI Group members (ALTE)

Das Projekt „Sprachliche Integration von erwachsenen Migranten (LIAM)“ des Europarats ist darauf ausgerichtet, Mitgliedstaaten bei der Entwicklung einer inklusiven Sprachpolitik zu unterstützen, die auf den gemeinsamen Werten des Europarats basiert: dem Respekt für die Menschenrechte und die Würde des Einzelnen, der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit.

Die wirksame Einhaltung dieser grundlegende Prinzipien erfordert einen koordinierten und durch Grundsätze bestimmten Ansatz in der Sprachpolitik, welcher sich über die verschiedenen Bereiche der Integrationspolitik erstreckt (Sozialpolitik, Eingliederung in den Arbeitsmarkt, Gesundheitswesen ...). Sie erfordert auch das Bewusstsein für die gegenseitigen Rechte und Pflichten von Migranten und Gesellschaften.

Der Europarat hat maßgebende Instrumente und Empfehlungen ausgearbeitet, welche die Prinzipien darlegen, die den Maßnahmen im Bereich Migration zugrunde liegen. Sie werden durch Richtlinien der Sprachpolitik und Referenzinstrumente ergänzt. Diese wurden entwickelt, um die wirksame Umsetzung der Instrumente und Empfehlungen in einem inklusiven Ansatz, basierend auf gemeinsamen Werten und Prinzipien, gewährleisten zu können. [Ref. 1]
 

Ausgehend von diesen Prinzipien sollen die Verantwortlichen im Bereich Sprachpolitik abwägen, in welchem Umfang sie:

  • SPRACHPROGRAMME UMSETZEN, DIE DEN SPRACHLICHEN BEDÜRFNISSEN VON MIGRANTEN IN IHREM PERSÖNLICHEN, SOZIALEN UND BERUFLICHEN LEBEN ENTSPRECHEN
    Wenn die kurz- und mittelfristigen Bedürfnisse der Migranten ermittelt werden, können entsprechende Kommunikationsziele unter Zuhilfenahme und durch Anpassung der Skalen des „Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen“ (GER) definiert werden, und zwar nach Bedarf, beispielsweise für ein Gespräch mit den Lehrern der Kinder, Austausch mit den Nachbarn, Schreiben eines Lebenslaufs für eine Arbeitsstelle etc. [Ref. 2]
     
  • SICHERSTELLEN, DASS DIE PROGRAMME AUSREICHEND FLEXIBEL GESTALTET SIND, UM DER VIELFALT DER MIGRANTEN GERECHT ZU WERDEN
    Es gibt kein einheitliches Modell, da sich die Migranten in ihrer persönlichen Situation, in ihren Bedürfnissen und Möglichkeiten, in Vorbildung und Erfahrung beim Sprachenlernen sowie in der Zeit, die für das Sprachenlernen zur Verfügung steht bzw. benötigt wird, erheblich voneinander unterscheiden. Die Form und Phase der Migration hängt z. B. auch von der geplanten Aufenthaltsdauer ab. [Ref. 3]
     
  • MIGRANTEN BEIM ENTWICKELN VON SELBSTLERNKOMPETENZEN UNTERSTÜTZEN
    Sobald der Kurs abgeschlossen ist, müssen sie ihr weiteres Lernen selbstständig koordinieren und sich eigenständig die benötigten Kompetenzen auf dem/den erforderlichen Niveau/s aneignen, beispielsweise am Arbeitsplatz, durch den Aufbau sozialer Netzwerke etc. Das Europäische Sprachenportfolio (ESP) wurde geschaffen, um die Entwicklung von Lernkompetenzen zu unterstützen, und kann von Migranten genutzt werden, um eine Verbindung zwischen ihren Fortschritten und den Niveaustufen des GER herzustellen. [Ref. 4]
     
  • KURSE ZU SPRACHE UND KULTUR ÜERPRÜFEN, UM  ZU GEWÄHRLEISTEN, DASS SIE INTERNATIONAL ANERKANNTE STANDARDS ZUR QUALITÄTSSICHERUNG ERFÜLLEN
    Die Erfahrung hat gezeigt, dass effektive maßgeschneiderte Kurse von hoher Qualität, die von angemessen ausgebildeten Experten erstellt und in den notwendigen Räumlichkeiten vermittelt werden, zwar kostenintensiver sein mögen, jedoch bessere Ergebnisse bei der Anwesenheit, der Motivation und den Lernerfolgen der Migranten hervorbringen. [Ref. 5]
     
  • DIE BENÖTIGTEN LEISTUNGSNIVEAUS INNERHALB EINES REALISTISCHEN UND FLEXIBLEN RAHMENS FESTLEGEN, DER DIE TATSÄCHLICHEN BEDÜRFNISSE UND MÖGLICHKEITEN DER MIGRANTEN WIDERSPIEGELT
    Der GER kann dazu verwendet werden, um „Profile" festzulegen, z. B. das Niveau A2 für mündliche Interaktion, aber A1 für Lesen oder Schreiben, anstatt eines einheitlichen Niveaus (A2 für alle Kompetenzen). Bei der Anpassung der GER-Skalen für offizielle Zwecke, wie für die Aufenthaltserlaubnis oder Staatsbürgerschaft, ist das Festlegen von realistischen Niveaus wichtig, wobei zu bedenken ist, dass in den meisten Gesellschaften die Mehrheit der Muttersprachler die auf höheren GER-Stufen angeführten Aufgaben  nicht erfüllen muss. Die Anforderung, ein „ausreichendes“ Niveau oder einen „guten Standard“ in der Amtssprache nachzuweisen, ist nicht nur zu unpräzise, um hilfreich zu sein, sondern stützt sich auch auf die unbewiesene Annahme, dass die erfolgreiche Integration von einem bestimmten Niveau der Sprachkenntnisse abhängt. [Ref. 6]
     
  • SICHERSTELLEN, DASS DIE EINGESETZTEN FORMALEN PRÜFUNGEN DEN ALLGEMEIN GÜLTIGEN QUALITÄTSSTANDARDS ENTSPRECHEN UND NICHT DAZU MISSBRAUCHT WERDEN, MIGRANTEN AUS DER GESELLSCHAFT AUSZUSCHLIESSEN
    Wo Prüfungen für offizielle Zwecke, wie z. B. Aufenthaltsgenehmigung oder Staatsangehörigkeit, verwendet werden, sollten sie von professionellen Organisationen erstellt werden, um sicherzustellen, dass die Prüfungen objektiv, zuverlässig und fair sind. Dennoch gibt es keine gesicherte Verbindung zwischen dem Bestehen einer Sprachprüfung und erfolgreicher Integration; Migranten können trotz eingeschränkter Sprachkenntnisse sehr gut integriert sein. Sprachkompetenz entwickelt sich durch den Gebrauch im täglichen Leben im Laufe der Zeit und ist deshalb keine Voraussetzung, sondern eher ein Ergebnis der Teilhabe an der Gesellschaft. Alternative Formen der Bewertung, wie z. B. das Europäische Sprachenportfolio, weisen nach, inwieweit ein Lerner eine Sprache beherrscht, und können Prüfungen, die auf dem GER basieren, ergänzen oder ersetzen. [Ref. 7]
     
  • EFFEKTIVE ANREIZE STATT INEFFEKTIVER SANKTIONEN ENTWERFEN; KONKRETE BELOHNUNGEN FÜR DAS SPRACHENLERNEN, WIE Z. B. SCHNELLERER ZUGANG ZU ERWERBSTÄTIGKEIT ODER SOZIALLEISTUNGEN, BEWIRKEN ERHÖHTE MOTIVATION
    Dagegen können Sanktionen, die Migranten zum Lernen zwingen sollen, zu weniger effektivem Lernverhalten und zu einer negativen Einstellung gegenüber Integration führen. Unangemessene Maßnahmen können benachteiligend sein und die Menschenrechte von Migranten verletzen. [Ref. 8]
     
  • DIE HERKUNFTSSPRACHEN VON MIGRANTEN UND IHRE EINZIGARTIGEN MEHRSPRACHIGEN UND MULTIKULTURELLEN IDENTITÄTEN WERTSCHÄTZEN
    Ihre Herkunftssprachen spielen beim Integrationsprozess eine wichtige Rolle. Für einen mehrsprachigen und interkulturellen Ansatz beim Sprachunterricht ist es wichtig, zu zeigen, dass diese Sprachen wertgeschätzt werden. Migranten sollten dazu ermuntert werden, diese an ihre Kinder weiterzugeben, und zwar mit Blick auf die Wichtigkeit der Sprachen als Identitätsmerkmal und als Bereicherung für die gesamte Gesellschaft. [Ref. 9]
     

Sprachen sind ein wesentliches Instrument bei der Bildung von interkulturellem Verständnis und von sozialem Zusammenhalt. Die Sprache bzw. Sprachen der aufnehmenden Gesellschaft, in die sich Migranten integrieren möchten, und die Sprachen, die bereits Teil ihres individuellen sprachlichen Repertoires sind, formen ihre Identität als aktive, demokratische Bürger. Ein mehrsprachiger und interkultureller Ansatz beim Sprachunterricht des aufnehmenden Staates stellt sicher, dass die Sprache zum Instrument der Inklusion wird, das Menschen vereint und nicht trennt.

JS

* Der Europarat verwendet den Begriff „Migrant“ für alle Personen mit Migrationshintergrund, einschließlich Asylsuchenden, Menschen mit anerkanntem Flüchtlingsstatus oder einem positiven Bescheid über eine alternative Form des Schutzes sowie für die sogenannten „Wirtschaftsflüchtlinge“. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) definiert einen Migranten oder eine Migrantin unabhängig vom rechtlichen Status als jede Person, die eine internationale Grenze überquert oder überquert hat oder innerhalb eines Staates den Wohnort wechselt oder gewechselt hat, um ihren gewöhnlichen Aufenthaltsort zu verlassen.

References


REF. 1: COUNCIL OF EUROPE POLICY

  • White Paper on Intercultural Dialogue - Living Together As Equals in Dignity, 2008, Council of Europe, EN   FR
  • Concept Paper: The role of languages in policies for the integration of adult migrants, 2008, Jean-Claude Beacco  EN   FR 
  • Integration of Adult Migrants and Education: Extracts from Council of Europe Conventions, Recommendations and Resolutions (1968-2015)  EN   FR

REF. 2: LANGUAGE PROGRAMMES TO RESPOND TO NEEDS

  • The ‘Common European Framework of Reference for Languages’ and the development of policies for the integration of adult migrants, 2008, David Little  EN   FR
  • Language learning, teaching and assessment and the integration of adult immigrants. The importance of needs analysis, 2008, Piet van Avermaet, Sara Gysen  EN   FR
  • Tailoring language provision and requirements to the needs and capacities of adult migrants, 2008, Hans-Jürgen Krumm / Verena Plutzar  EN   FR

See also Language courses & assessment, Richard Rossner
 

REF. 3: PROGRAMMES TO ACCOMMODATE THE DIVERSITY OF MIGRANTS

  • Language Learning in the Context of Migration and Integration – Challenges and Options for Adult Learners, 2008, Verena Plutzar, Monika Ritter  EN   FR
  • Living together in diversity - Linguistic integration in Flanders, 2008, Reinhilde Pulinx  EN   FR

REF. 4: DEVELOPING INDEPENDENT LEARNING SKILLS

  • The linguistic integration of adult migrants and the ‘Common European Framework of Reference for Languages, 2012, David Little  EN   FR
  • Responding to the language needs of adult refugees in Ireland: an alternative approach to teaching and assessment, 2008, David Little  EN   FR
  • Linguistic integration of adult migrants and the ELP: an introduction, 2012, David Little EN   FR
  • The European Language Portfolio for Adult Migrants: Learning the language of the host country, 2012, Barbara Lazenby Simpson (and related documentsEN   FR   IT

See also:
- Language policies for adult migrants : from values to education, Jean-Claude Beacco
- CEFR and Levels of proficiency, David Little

REF. 5: MEETING ACCEPTED STANDARDS OF QUALITY ASSURANCE

  • Adult migrant integration policies: Principles and implementation (with an overview of papers), 2010, Jean-Claude Beacco  EN   FR
  • Quality assurance in the provision of language education and training for adult migrants – Guidelines and options, 2008, Richard Rossner  EN   FR
  • Responding to the language needs of adult refugees in Ireland: an alternative approach to teaching and assessment, 2008, David Little  EN   FR

See also Language courses & assessment, Richard Rossner

REF. 6: REALISTIC AND FLEXIBLE PROFICIENCY LEVELS

  • The linguistic integration of adult migrants and the ‘Common European Framework of Reference for Languages’, 2012, David Little EN   FR
  • Education: Tailor-made or one-size-fits-all? A project commissioned by the Nederlandse Taalunie, 2008, ITTA/Elwine Halewijn, CTO/Annelies Houben, Heidi De Niel  EN   FR

See also:
- Language policies for adult migrants : from values to education, Jean-Claude Beacco
- CEFR and Levels of proficiency, David Little

REF. 7: QUALITY AND TRANSPARENCY OF FORMAL TESTS

  • The Linguistic Integration of Adult Migrants: evaluating policy and practice (Reference Document for the conference held in 2010), David Little (ed.)  EN   FR   IT
  • Quality assurance in the provision of language education and training for adult migrants – Guidelines and options, 2008, Richard Rossner  EN   FR
  • The role of literacy in the acculturation process of migrants, 2008, Hervé Adami   EN   FR
  • Language tests for social cohesion and citizenship – an outline for policy makers, 2008, ALTE Authoring Group (Association of Language Testers in Europe) EN   FR
    The following language versions were kindly provided by ALTE members: BG   DE   IT    NO
  • Providers of courses for adult migrants- Self-assessment Handbook, 2012, Richard Rossner EN   FR   IT   SL

REF. 8: EFFECTIVE INCENTIVES RATHER THAN INEFFECTIVE SANCTIONS

  • Concept Paper: The role of languages in policies for the integration of adult migrants, 2008, Jean-Claude Beacco EN   FR

See also: Linguistic Profiles and profiling, Hans-Jürgen Krumm

REF. 9: VALUE MIGRANTS’ LANGUAGES OF ORIGIN

  • Concept Paper: The role of languages in policies for the integration of adult migrants, 2008, Jean-Claude Beacco EN   FR 
  • The role of literacy in the acculturation process of migrants, 2008, Hervé Adami  EN   FR

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