Raoul Wallenberg-Preis

Auf Initiative der schwedischen Regierung und des ungarischen Parlaments hat der Europarat den Raoul Wallenberg-Preis ins Leben gerufen, um die Erinnerung an die überragenden Leistungen dieses schwedischen Diplomaten wach zu halten.

Ab 2014 wird der Raoul Wallenberg-Preis, der mit 10.000 € dotiert ist, alle zwei Jahre für außergewöhnliche humanitäre Leistungen einer Einzelperson, einer Personengruppe oder einer Organisation vergeben. Die Preisverleihung findet am 17. Januar – dem Tag der Verhaftung Raoul Wallenbergs 1945 in Budapest – im Europarat statt.
Der Generalsekretär des Europarates hat im März 2013 zur Einreichung von Bewerbungen für den Preis aufgerufen. Bewerbungen müssen bis spätestens 30. Juni 2013 eingehen.

Die Jury setzt sich aus sieben unabhängigen Personen zusammen, die im Bereich der Menschenrechte und der humanitären Arbeit ein hohes moralisches Ansehen genießen und vom Generalsekretär des Europarates, dem schwedischen Außenministerium, der Stadt Budapest, dem Raoul Wallenberg-Institut in Lund, dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz, dem Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) sowie der Familie von Raoul Wallenberg ernannt werden.
 

Preis 2014

Die romastämmige türkische Regisseurin Elmas Arus mit dem Raoul-Wallenberg-Preis ausgezeichnet

Der erste Raoul-Wallenberg-Preis des Europarates ist am 17. Januar 2014 in Straßburg der jungen romastämmigen Filmregisseurin Elmas Arus aus der Türkei feierlich verliehen worden. Die Auszeichnung würdigt ihren bedeutenden Beitrag zur Sensibilisierung gegenüber der Lage der Roma in der Türkei und darüber hinaus.

Zwischen 2001 und 2010 besuchte Elmas Arus mit einer Gruppe Freiwilliger ihrer Universität mehr als 400 Roma-Siedlungen in 38 Städten der Türkei. Dabei produzierten sie 360 Stunden Filmmaterial und einen einstündigen Dokumentarfilm über die Herausforderungen, vor denen die Roma-Gemeinschaften in der Türkei stehen. Außerdem gründeten sie die Menschenrechtsorganisation „Sıfır Ayrımcılık" („Null Diskriminierung"), die ähnlichen Gruppierungen den Weg geebnet hat: Heute gibt es mehr als 200 Roma-Vereinigungen in der Türkei. Die Arbeit der Filmemacherin war bei der Ausarbeitung der Politik der „Öffnung gegenüber den Roma" durch die türkische Regierung im Jahr 2009 von grundlegender Bedeutung.

Der schwedische Diplomat Raoul Wallenberg hat 1944 in Budapest seinen Status dazu genutzt, Zehntausende Juden vor dem Holocaust zu retten. Seine Taten beweisen, dass der Mut und die Fähigkeiten eines einzelnen Menschen viel bewirken können. Sie sind für alle Menschen eine Inspiration, ihre Stimme zu erheben und Verfolgungen, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus zu bekämpfen.

In Anerkennung seiner Rolle während des Holocausts hat der Staat Israel Wallenberg den Titel des „Gerechten unter den Völkern" zuerkannt. Ihm wurde außerdem die Ehrenbürgerwürde Israels, der Vereinigten Staaten, Kanadas und Ungarns verliehen.

Raoul Wallenberg wurde am 17. Januar 1945 von den sowjetischen Streitkräften verhaftet. Sein Schicksal ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Es ist nicht bekannt, was nach seiner Verhaftung mit ihm geschehen ist.