Am Morgen des 27. Januar 1945 befanden sich im Konzentrationslager Auschwitz noch etwa 7000 Gefangene. Über eine Million Menschen kamen in diesem Lager ums Leben und es wird angenommen, dass insgesamt sechs Millionen Juden in Konzentrationslagern ermordet wurden.

Der Europarat war die treibende Kraft hinter der Einführung eines Tages zum Gedenken an den Holocaust und zur Verhütung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Im Oktober 2002 beschlossen die Bildungsminister aus den Mitgliedsstaaten des Europarates die Einführung dieses Gedenktages. Während Deutschland und Frankreich den Tag am 27. Januar, dem Tag der Befreiung von Auschwitz, begehen, haben andere Länder je nach ihren jeweiligen historischen Erfahrungen ein anderes Datum gewählt.

Darüber hinaus unterstützt der Europarat Lehrer bei der Vorbereitung des Holocaust-Gedenktages, indem er Unterrichtsmaterial zur Verfügung stellt, um die Schüler für dieses dunkle Kapitel der Geschichte zu sensibilisieren und das Thema Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu erörtern. Dadurch soll die Prävention ebenso gefördert werden wie Verständnis, Toleranz und Freundschaft unter den Nationen, Ethnien und Religionen.

2026

Europarat gedenkt der Opfer des Holocausts

Alain Berset: „Wir müssen dazu beitragen, dass die jüngeren Generationen begreifen, wie die Gesellschaft in solche Unmenschlichkeit abgleiten kann“
Holocaust-Gedenken in Straßburg

Holocaust-Gedenken in Straßburg

„Der Sitz des Europarates ist weniger als eine Stunde vom Lager Natzweiler-Struthof entfernt. Doch steht er für alles, was der Holocaust zerstören wollte. Der Europarat ist ein Friedensprojekt, das auf einem feierlichen Versprechen beruht: Nie wieder. Ein Frieden, der auf Menschenrechten, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit beruht.“

Dies waren die Worte von Generalsekretär Alain Berset vor der Gedenkstele auf dem Vorplatz des Palais de l'Europe, wo anlässlich des Internationalen Tags des Gedenkens an die Opfer des Holocausts Kränze zu Ehren der Opfer niedergelegt wurden.

„Wie Simone Veil hier im Europarat sagte: ‚La Shoah ne devait avoir ni témoin ni histoire‘ (Der Holocaust sollte keine Zeugen und keine Spuren in der Geschichte hinterlassen). Am Ende der Ära der Zeitzeugen forderte sie uns auf, darüber nachzudenken, wie zum Thema Holocaust gelehrt werden soll. Diese Verantwortung obliegt nunmehr uns.

Wir müssen dazu beitragen, dass die jüngeren Generationen begreifen, wie die Gesellschaft in solche Unmenschlichkeit abgleiten kann. Und ihnen die Instrumente geben, Desinformation, Verleugnung und Manipulation der Geschichte zu widerstehen. Der Antisemitismus endete nicht 1945. Auch nicht der Hass, der Menschen wegen ihres Glaubens ins Visier nimmt.

Sich an den Holocaust zu erinnern, bedeutet, jede Form religiöser Intoleranz abzulehnen, hier und jetzt“, betonte der Generalsekretär.

Kindertransport-Überlebender spricht

Der Internationale Tag zum Gedenken an die Opfer des Holocausts stand auch auf der Tagesordnung der Wintersitzung der Parlamentarischen Versammlung, auf der Lord Alf Dubs, der im Juni 1939 im Alter von sechs Jahren mit einem Kindertransportzug aus dem besetzten Europa dem Holocaust entkam, an diese Reise erinnerte und davon sprach, wie wichtig es sei, die Geschichte des Holocausts an junge Menschen weiterzugeben:

Wir müssen sicherstellen, dass die nächste Generation es versteht, weil Leute wie ich nicht mehr da sein werden – und es ist wichtig, dass die Botschaft an die nächste Generation weitergegeben wird.“

Politisch Verantwortliche bei der Zeremonie

Die Präsidentin der Parlamentarischen Versammlung, Petra Bayr, unterstrich: „Wir hören oft Aufrufe, dieses Kapitel der Geschichte endlich zu schließen – aber Geschichte kann nicht geschlossen werden. Wir haben die gemeinsame Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass die Lehren aus dem Holocaust heute in konkrete politische Maßnahmen umgesetzt werden. ‚Nie wieder‘ ist keine symbolische Phrase, es ist eine politische Verpflichtung – die Menschenwürde zu verteidigen, Minderheiten zu schützen und der Erosion demokratischer Normen zu widerstehen, wo immer sie auftritt.“

Darüber hinaus erklärte die Präsidentin der Republik Moldau, Maia Sandu: „Heute müssen wir uns ehrlich fragen: Sind wir sicher, dass eine solche Tragödie nie wieder geschehen kann? Die Welt befindet sich auf gefährlichem Terrain. … ‚Nie wieder‘ ist kein Versprechen, das sich von selbst erfüllt. Es ist eine Verantwortung, die wir erneuern müssen, durch unsere Institutionen, unsere Entscheidungen und unseren Mut. Haben wir den Mut zu handeln, bevor aus Gedenken Bedauern wird.“ (weiter)


 Rede von Generalsekretär Alain Berset [EN]

 Programm der Zeremonie [EN]

 PACE-News: PACE gedenkt der Opfer des Holocausts und reflektiert seine Lehren für heute [EN]

 Menschenrechtskommissar-News: Holocaust-Gedenktag: Wege des Erinnerns und Handelns – Vergangenheit bewahren, Zukunft schützen [EN]

 Video der Zeremonie [EN]


Bildergalerie

Parlamentarische Versammlung Straßburg 27. Januar 2026
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