Sprachpolitik für erwachsene Migranten

Die Sprachpolitik, die Mitgliedstaaten für erwachsene Migranten einsetzen, muss vor allem den Zielen der Aufnahmevorkehrungen entsprechen, denen sie ausgesetzt sind. Diese Prinzipien können hier ausschließlich als die Grundprinzipien des Europarats interpretiert werden: Förderung der Menschenrechte, demokratischer Pluralismus, Rechtsstaatlichkeit und Maßnahmen zur Förderung des sozialen Zusammenhalts.

Ziele der Weiterbildungsangebote für erwachsene Migranten

Diese Leitprinzipien müssen in Bezug auf den spezifischen Kontext des Sprachunterrichts für erwachsene Migranten betrachtet werden. Doch zuvor müssen die Mitgliedstaaten ihre besonderen Pflichten in Bezug auf das Anbieten von Sprachunterricht für diese Personen anerkennen und dabei bedenken, dass lange Zeit ausschließlich die Migranten selbst als die für das Erlernen der Sprache der aufnehmenden Gesellschaft Verantwortlichen gesehen wurden. Diese sprachunterstützenden Maßnahmen müssen Zielsetzungen wie das Sicherstellen eines bestimmten Kompetenzniveaus in der mündlichen Kommunikation beinhalten; ein wesentliches Element des sozialen Lebens, vor allem am Arbeitsplatz. Sie sollten jedoch auch darauf abzielen, ein Gefühl der Zugehörigkeit zum neuen sozialen Umfeld der Migranten –  zusätzlich zu bereits bestehenden Loyalitäten – zu erzeugen, wobei bedacht werden muss, dass dieses Zugehörigkeitsgefühl von den persönlichen Plänen der Migranten abhängt (z. B. kurz- oder langfristige Ansiedlung). Schließlich müssen sich Staaten für eine erfolgreiche Integrationspolitik angemessen ausrüsten, um die Ängste zu kontrollieren und die Ungewissheit abzubauen, die die sichtbare Anwesenheit von Neuankömmlingen in den aufnehmenden Gesellschaften auslösen können. Initiativen zur interkulturellen Bildung müssen allen offenstehen (z. B. als Teil der Pflichtschulbildung), um das Bewusstsein für diese Themen zu schärfen. So gesehen ist Integration definitiv ein in beide Richtungen gehender Prozess.
 

Gestaltung des Sprachunterrichts für erwachsene Migranten

Die praktische Umsetzung dieser Prinzipien hängt von der Gestaltung des Sprachunterrichts ab, d. h. von der allgemeinen Herangehensweise bei der Entwicklung von Sprachkursen für Migranten. Dies beinhaltet:

  • die Erstellung eines Profils der betroffenen Lernergruppen; so reicht beispielsweise „Schulung für Migranten“ als Klassifizierung nicht aus, da sich die Sprachrepertoires der Migranten und ihre Kenntnisse über die aufnehmende Gesellschaft beträchtlich voneinander unterscheiden können;
  • eine Definition des Sprachenbedarfs, d. h. der Situationen sprachlicher oder schriftlicher Kommunikation, in denen die Migranten gerne zurechtkommen möchten, vor allem in der Sprache der aufnehmenden Gesellschaft, aber auch unter Verwendung aller anderen sprachlichen Ressourcen, die ihnen zur Verfügung stehen;
  • eine Spezifizierung der Lernziele basierend auf den zuvor bestimmten Zielsituationen, wobei die Lernziele in Form von Lerneinheiten bzw. Deskriptoren von Lerneinheiten auf Basis des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GER) formuliert werden sollen, und zwar bezüglich der Kommunikationsszenarien (am Arbeitsplatz, Besprechen aktueller Ereignisse, Präsentationen usw.) und der Handlungsfelder, wie z. B. Familie, Arbeit, Gesellschaft usw. (beispielsweise: in der Lage sein, die Auflistungen in Fernsehprogrammen lesen zu können);
  • die Bestimmung relevanter Ziele bezüglich der Struktur gesprochener und geschriebener Texte, Wortschatz, Morphologie und Syntax usw. unter Zuhilfenahme der Beschreibungen der Referenzniveaus des GER (sofern verfügbar) und deren Anpassung an die Bedürfnisse und Erwartungen der Migranten, vor allem in Bezug auf den Wortschatz;
  • die Unterteilung dieser Ziele in Lerneinheiten mit besonderer Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Unterrichtszeit;
  • die Bestimmung der Abfolge und Anordnung dieser Lerneinheiten;
  • das Voranstellen von aktivem und selbst gesteuertem Lehren/Lernen unter äußerst sorgfältiger Berücksichtigung des Bildungshintergrunds der Lerner, d. h. ihrer Lerngewohnheiten und ihrer Erwartungen bezüglich des Unterrichts;
  • die Organisation dieser Lerneinheiten innerhalb der zur Verfügung stehenden Unterrichtszeit unter Berücksichtigung des Lerntempos;
  • Prüfungen und die Selbsteinschätzung dessen, was gelernt worden ist, durch die Lernenden.
  • dividing these objectivesinto sequences of activities , taking particular account of the teaching time available;
     

Die Qualität des Sprachunterrichts für erwachsene Migranten

Neben den fachspezifischen Merkmalen, die sicherstellen sollen, dass der angebotene Unterricht auch den Bedürfnissen der erwachsenen Migranten entspricht, ist es entscheidend, regelmäßig die Gesamtqualität des Unterrichts zu prüfen. Dies soll beispielsweise in Bezug auf die geforderten Qualifikationen der Lehrenden bzw. die Angemessenheit ihrer Schulungen geschehen, sowie durch externe Evaluation der Unterrichtsprogramme, bei denen die Meinung der Lernenden und anderer Beteiligter (z. B. der Arbeitgeber) miteinbezogen werden soll, sowie durch eine allgemeine Beurteilung der Unterrichtsergebnisse. Diese Mechanismen zur Kontrolle und Qualitätssicherung spielen eine wichtige Rolle bei der Verwaltung dieser Art von Unterricht und bei der Bewertung seiner Auswirkungen.

Das Unterrichtsangebot sollte auch folgende wichtige, übergreifende Elemente enthalten:

  • das Hervorheben des Werts der Herkunftssprachen der Migranten in Gruppenaktivitäten, um – unter anderem – deren Pflege und Weitergabe an die nächste Generation zu fördern;
  • die Schärfung des Bewusstseins dafür, wie die aufnehmende Gesellschaft in Bezug auf ihre Strukturen und die kulturelle und soziale Vielfalt funktioniert.
     

Dadurch soll erreicht werden, dass die Lerner sich damit auseinandersetzen und diese Merkmale eingehender betrachten.

So gesehen kann die Sprachpolitik für die Integration eine lohnenswerte gemeinschaftliche „Investition“ sein, da sie zum sozialen Zusammenhalt beiträgt. Die klaren Grundsätze, die zuvor genannt wurden, könnten jedoch untergraben werden, und zwar entweder durch fachspezifische Mängel (welche die Ressourcen auf dieser Internetseite beheben sollen) oder durch eine verschleierte Politik der Ausgrenzung, in der die Kenntnis der Sprache(n) der aufnehmenden Gesellschaft dazu verwendet wird, den Zugang zu ihr zu beschränken. In Fällen, in denen die Konzeption des Sprachunterrichts ohne Bezug zur Gesellschaft angelegt ist, kann dieser die langfristigen negativen Tendenzen nicht eindämmen

JCB