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Europarat ehrt Roma-Opfer des Holocausts: „Die Vergangenheit anerkennen und heute die Rechte der Roma stärken“

Europarat Straßburg 2. August 2018
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Miranda Vuolasranta

Miranda Vuolasranta

Heute hat der Europarat in Straßburg eine feierliche Kranzniederlegung zum Gedenken an die Sinti- und Roma-Opfer des Holocausts abgehalten. Dieses Jahr jährt sich der 2. August 1944, an dem alle verbliebenen Roma des sogenannten „Zigeunerlagers“ – 2897 Männer, Frauen und Kinder – in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau ermordet wurden, zum 74. Mal.

Der Völkermord an den Roma, später bekannt als Porajmos, war der Plan des Nazi-Regimes und seiner Unterstützer zur Ausrottung des Roma-Volks in Europa. Obgleich keine genauen Zahlen oder Prozentsätze ermittelt werden können, schätzen Historiker, dass rund 25 Prozent aller europäischen Roma ermordet wurden, in einigen europäischen Ländern sogar über 90 %.

Bei der heutigen Gedenkfeier ergriffen folgende Persönlichkeiten das Wort: Hallvard Gorseth, Leiter des „Roma and Travellers Team“ der Generaldirektion für Demokratie im Namen des Generalsekretärs des Europarates, Blaženka Babić, Stellvertretende Ständige Vertreterin Kroatiens beim Europarat im Namen des kroatischen Vorsitzes, sowie Miranda Vuolasranta, Präsidentin des Europäischen Forums für Roma und Fahrende (ERTF).

Alle drei Redenden betonten, wie wichtig es sei, nicht nur die Vergangenheit anzuerkennen, sondern auch die Rechte der Roma in der Gegenwart und Zukunft zu stärken.

Der kroatische Vorsitz im Ministerkomitee des Europarates erinnerte an die im Rahmen des Thematischen Aktionsplans zur Inklusion von Roma und Fahrenden (2016–2019) eingegangenen Verpflichtungen. In dem vom Ministerkomitee im März 2016 verabschiedeten Aktionsplan wird die Notwendigkeit unterstrichen, den Holocaust an den Roma anzuerkennen und darüber zu lehren und zu informieren.

Zahlreiche Roma sind auch heute Romafeindlichkeit, Diskriminierung, Hassrede und Hassdelikten ausgesetzt. Roma-Kinder erleben Segregation in Schulen, etwa in Form von Einweisung in Sonderschulen. Eine derartige Trennung erzeugt in Verbindung mit rassistischen Äußerungen ein Klima, das Feindseligkeit und Gewalt fördert. Zu den jüngsten Beispielen zählen ein ethnisch motivierter Mord sowie Zwangsräumungen von Roma-Siedlungen in mehreren Mitgliedsstaaten des Europarates.

„Die Bekämpfung von Romafeindlichkeit und die Notwendigkeit, die Europäer stärker für die Geschichte der Roma in Europa zu sensibilisieren, gehören zu den politischen Prioritäten des Europarates“, so Gorseth abschließend.

Am selben Tag erinnerte Dunja Mijatović, Menschenrechtskommissarin des Europarates, in Auschwitz-Birkenau im Rahmen der Veranstaltung zum Gedenken an den Roma-Holocaust an die Pflicht, die Erinnerung wach zu halten. Ebenso entscheidend sei es, die auch heute noch bestehenden Vorurteile und den Hass gegen Roma zu bekämpfen, damit die anhaltenden Verletzungen ihrer Menschenrechte aufhören.

Zusätzlich zu diesen Veranstaltungen auf hoher Ebene finden von 29. Juli bis 4. August in Krakau und Auschwitz Gedenkaktivitäten statt, um junge Europäer, die Zivilgesellschaft und Entscheidungsträger für den Völkermord an den Roma zu sensibilisieren. Diese werden vom Internationalen Roma-Jugendnetzwerk „ternYpe“ und Partnerorganisationen veranstaltet, die von der Jugendabteilung des Europarates unterstützt werden.

Der Europarat ist heute außerdem bei der 5. Gedenkveranstaltung am Triumphbogen in Paris vertreten, um jener „Nomaden“ zu gedenken, die zwischen 1939 und 1946 in Frankreich interniert wurden.

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