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Menschenrechtskommissar
04/09/2012
Binnenvertriebene in Europa: Eine weitere verlorene Generation?
Menschenrechtskommissar Nils Muižnieks

Straßburg, 04.09.2012 – Die Medien haben mit Blick auf die Wirtschaftkrise oft vor einer „verlorenen Generation” in Europa gewarnt. In vielen europäischen Ländern kämpft jedoch eine andere Art „verlorener Generation“ nach militärisch-politischen Krisen ums Überleben. Ich denke an Europas Binnenvertriebene (IDPs), von denen einige seit Jahrzehnten unter äußerst schwierigen Bedingungen leben. Diese Opfer vergangener oder aktueller Konflikte benötigen weiterhin die Hilfe der europäischen und internationalen Gemeinschaft, so Nils Muižnieks, Menschenrechtskommissar des Europarates, in der neuesten Ausgabe seines Menschenrechtskommentars, die heute veröffentlicht wurde.

Schätzungen zufolge gibt es in den Mitgliedsstaaten des Europarates zwischen 2,5 und 2,8 Millionen Binnenvertriebene. Die meisten, etwa 1 Million, leben in der Türkei und sind Opfer von bewaffneten Konflikten und Gewalt vonseiten staatlicher oder nichtstaatlicher Kräfte in Gebieten, in denen hauptsächlich die kurdische Minderheit lebt. In anderen Regionen Europas floh die große Mehrheit der Binnenvertriebenen vor Konflikten in Zusammenhang mit dem Auseinanderbrechen der Sowjetunion und Jugoslawiens vor über zwanzig Jahren sowie, in jüngerer Zeit, dem Konflikt in Georgien 2008. In Aserbaidschan leben etwa 600 000 Binnenvertriebene, in Georgien 274 000, in Serbien 225 000 und in Bosnien und Herzegowina 113 000. Die restlichen Binnenvertriebenen leben in den anderen Balkanstaaten, Armenien und Russland. (weiter...)