TÄTIGKEITSBERICHT 2003-2004

ARBEITEN IN SACHEN ROMA, ZIGEUNER UND FAHRENDES VOLK

Generaldirektion III

Generaldirektion für sozialen Zusammenhalt

Dienststelle für Migrationsfragen und Roma / Fahrendes Volk

Europarat Tel. + 33 (0)3 88 41 20 00 E-mail: michael.guet@coe.int

http:// www.coe.int/T/E/Social_Cohesion/Roma_Gypsies

1. Die Fachgruppe Roma, Zigeuner und fahrendes Volk (MG-S-ROM)

Seit ihrer Gründung im September 1995 bildet die Fachgruppe Roma, Zigeuner und fahrendes Volk (MG-S-ROM) das erste dauerhaft eingesetzte Gremium des Europarats zur Verfolgung der Lage der Roma / Zigeuner in Europa. Die Fachgruppe besteht aus ständigen und nichtständigen Mitgliedern, die von den Mitgliedsstaaten ernannt werden und das Ministerkomitee auf dem Weg über das Europäische Komitee für Migrationsfragen (CDMG) in Fragen der Roma / Zigeuner beraten. Die Empfehlung (2000) 4 des Ministerkomitees zur schulischen Betreuung der Kinder von Roma / Zigeunern in Europa sowie die Empfehlung (2001) 17 zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage und Beschäftigungsmöglichkeiten für Roma / Zigeuner und fahrendes Volk in Europa gehen auf Veranlassung der Fachgruppe zurück.

2002 hat die Fachgruppe ihren Zuständigkeitsbereich erweitert und fahrendes Volk noch deutlicher eingeschlossen.

Die Fachgruppe umfasst derzeit 14 ständige Mitglieder (Bulgarien, Kroatien, Finnland, Italien, die Niederlande, Polen, Rumänien, die Russische Föderation, die Slowakei, Slowenien, Spanien, die Tschechische Republik, die Ukraine und Ungarn). Hinzukommt eine Anzahl von Ländern, die regelmäßig auf eigene Kosten an den Arbeiten der Gruppe teilnehmen: Deutschland, Frankreich, Griechenland, Irland, Norwegen und die Schweiz. Die Kosten für die Teilnahme von 8 Roma-Vertretern oder von zu bestimmten Punkten der Tagesordnung eingeladenen Sachverständigen werden ebenfalls getragen. Schließlich nehmen auch bestimmte internationaler Einrichtungen / Organisationen (EG, OSZE, Hochkommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge =UNHCR, Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen =UNDP, Weltbank) an den Arbeiten der Gruppe teil, desgleichen internationale Nichtregierungsorganisationen (NGOs) mit Beobachterstatus beim Europarat (ERRC, PER usw.).

Am 29. – 30. März 2004 hielt die Fachgruppe Roma, Zigeuner und fahrendes Volk (MG-S-ROM) eine der beiden satzungsgemäß pro Jahr vorgeschriebenen Sitzungen in Straßburg ab. Die zweite Sitzung wird in der Slowakei (Presov) stattfinden, und zwar am 21. – 24. November (üblicherweise findet eine der beiden jährlich vorgesehenen Sitzungen in einem anderen Mitgliedsstaat statt).

Auch 2004 war die Gruppe weiterhin mit der Ausarbeitung von einer Anzahl von Empfehlungsentwürfen befasst, so etwa von Entwürfen für

- eine Empfehlung zur Freizügigkeit und freien Lagerung fahrendes Volkes in Europa;
- eine Empfehlung zur Verbesserung der Wohnungssituation von Roma, Zigeunern und Angehörigen des fahrenden Volkes in Europa;
- eine Empfehlung zur Politik in Europa hinsichtlich der Roma / Zigeuner, die in den Erlass von Richtlinien bezüglich der Roma / Zigeuner münden soll;
- eine Empfehlung über den Zugang zur Gesundheitsfürsorge für Roma und fahrenden Volk.

2004 untersuchte die Gruppe auch eine Reihe ihr vorrangig erscheinender Themen:

- Die Lage des fahrendes Volkes und die „Rückkehr zum Landfahrer-Leben einiger Roma-Gruppen“, verbunden vor allem mit der im März erfolgten Annahme eines Schemas für eine Untersuchung der sozialen und wirtschaftlichen Rechte des fahrenden Volkes und eines den Anfang hierfür bildenden Fragebogens über die sozialen Rechte dieser Leute. Die Antworten sollen von freischaffenden Beratern ausgewertet werden.

- Die praktische Durchführung der die Roma betreffenden Politik und Programme auf Gemeindeebene als Thema einer zusammen mit dem Kongress der Gemeinden und Regionen Europas (KGRE) und unter Beteiligung von Mitgliedern der Fachgruppe MG-S-ROM am 18. Oktober 2003 in Rom abgehaltenen Sitzung. Dabei wurden die Zusammenarbeit und die Beziehungen zwischen Gemeinden und Roma-Gemeinschaften erörtert. Abschließend wurde beschlossen, ein europäisches Netz von Städten ins Leben zu rufen, die unter anderem auf Grund positiver Erfahrungen mit einer Anzahl entsprechender Programme (RrAJE, Stabilitätspakt für Südosteuropa usw.) den Wunsch haben, auf örtlicher Ebene zur Förderung der Integration der Roma und der Aufnahme fahrenden Volkes zusammenzuarbeiten.

- Fragen der Sprache und Kultur der Roma als Thema eines internationalen Seminars zur kulturellen Identität von Roma, Zigeunern, fahrendem Volk und verwandten Gruppen (Straßburg, 15. – 16. September 2003), an dem auch Mitglieder der Fachgruppe MG-S-Rom teilnahmen. Erörtert wurden der Einfluss traditioneller Sitten und Wertvorstellungen auf die sozialen Beziehungen innerhalb und außerhalb dieser Gemeinschaften, Ähnlichkeiten und Unterschieden zwischen den verschiedenen Gruppen, die korrekte Bezeichnung solcher Gruppen (auch auf internationaler Ebene) sowie die Auswirkungen sozialer und wirtschaftlicher Bedingungen auf die kulturelle Identität und gesellschaftliche Integration der Roma in Europa.

Nachdem das Ministerkomitee 2002 das Mandat der Fachgruppe MG-S-ROM neu gefasst und dabei auch Kontrollmöglichkeiten, vor allem durch Besuche vor Ort, hinsichtlich der Situation der Roma / Zigeuner vorgesehen hatte, hat die Gruppe bereits Besuche in der Slowakei aufs Programm gesetzt. Die Liste der geplanten Besuche soll im Einklang mit dem Zeitplan anderer Europaratsgremien (ECRI, Beratender Ausschuss zum Rahmenübereinkommen, Expertenausschuss der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen, Menschenrechtskommissar) ergänzt werden.

Die Fachgruppe hielt ferner am 17. September eine außerplanmäßige Sitzung ab, um sich zur finnischen Initiative (vgl. 2 unten) und insbesondere zum jüngsten französisch-finnischen Vorschlag eines Europäischen Forum für Roma und fahrendes Volk zu äußern. Grundsätzlich stieß die Idee auf Zustimmung, die Gruppe warf jedoch eine Anzahl Fragen zur Finanzierung, Zusammensetzung und Repräsentativität eines solchen Forums, seiner in Aussicht genommenen Mitglieder und der künftigen Beziehungen zwischen der Fachgruppe MG-S-ROM und dem Forum auf.

2. Arbeiten zur Schaffung eines Europäischen Forums für Roma und fahrendes Volk

In ihrer Ansprache vor der Parlamentarischen Versammlung des Europarats im Januar 2001 regte die finnische Staatspräsidentin, Frau Tarja Halonen, an, „ernsthaft die Notwendigkeit einer Art beratenden Versammlung der Roma zu ihrer Vertretung auf gesamteuropäischer Ebene zu prüfen.“

Im Anschluss an diesen Vorschlag wurde eine Untersuchungsgruppe, bestehend aus Sachverständigen für Fragen der Roma / Zigeuner und des fahrenden Volks sowie Vertretern gesamteuropäischer Roma-Vereinigungen (IRU, RNC, GATIEF usw.), gebeten, die Durchführbarkeit eines solchen Vorhabens zu prüfen. Zwischen Ende 2001 und Oktober 2002 traf sich die Gruppe fünfmal und nahm zum Abschluss einen Bericht sowie Empfehlungen zum Aufbau, zur Aufgabenstellung und zu den möglichen Beziehungen zu verschiedenen Europaratsgremien und anderen internationalen Organisationen an.

Auf seiner 816. Sitzung auf Botschafterebene am 13. November 2002 beauftragte das Ministerkomitee des Europarats „seine Berichterstattergruppe für soziale Fragen und Fragen des Gesundheitswesens (GR-SOC), mit seinen Arbeiten hinsichtlich des finnischen Vorschlags eines „Europäischen Forums für Roma“ fortzufahren, dabei die Aktualität des Problems zu berücksichtigen und Vorschläge für geeignete Maßnahmen zur Verfolgung dieser Initiative zu unterbreiten.“

Die Berichterstattergruppe GR-SOC traf sich am 11. Dezember 2002 und sprach sich für die Einsetzung einer allen Mitgliedsstaaten offenstehenden Arbeitsgruppe (GT-ROMS) aus, welche die verschiedenen Probleme im Zusammenhang mit der Schaffung eines Forums für Roma und fahrendes Volk prüfen sollte.

3. Programm zur Politik für Roma, Zigeuner und fahrendes Volk

Das „Projekt Roma / Zigeuner in Europa“ wurde 1996 auf Grund freiwilliger Beiträge verschiedener Mitgliedsstaaten ins Leben gerufen. Ende 2002 wurde es umbenannt in „Programm zur Politik für Roma, Zigeuner und fahrendes Volk" Es geht darum, den Regierungen bei der Ausarbeitung und Durchführung ihrer Politik für Roma, Zigeuner und fahrendes Volk behilflich zu sein und sie dabei zu unterstützen. Zweiseitige und mehrseitige Arbeiten, oftmals in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, bilden Teil des Programms.

2003 wurde das Programm von Finnland mit 200.000,- Euro bezuschusst. (Ein Betrag in gleicher Höhe ist kürzlich auch für 2004 eingegangen).

Fünf Schwerpunkte wurden 2003-2004 für das Programm festgelegt :

a) Arbeiten zur Evaluierung nationaler Politik in Sachen der Roma und/oder des fahrenden
Volkes und ihrer Durchführung auf örtlicher Ebene, zum Beispiel :

- Gesprächsrunden zur Roma-Politik in Albanien;
- eine Gesprächsrunde zur staatlichen Roma-Politik in Kroatien;
- eine europäische Konferenz zur staatlichen Politik für Roma, Zigeuner und fahrendes Volk (Granada, Spanien, 19. – 20. Mai 2003);
- ein Kolloquium zur Eingliederung von Roma in den Arbeitsmarkt;
- eine gemeinsame Sitzung mit dem KGRE in Rom am 15. Oktober 2003 (siehe oben).

b) Arbeiten zur Förderung der Vertretung und Beteiligung von Roma auf örtlicher, regionaler, gesamtstaatlicher und europäischer Ebene einschließlich von Sitzungen zur Frage des Europäischen Forums für Roma im März, Juni, Juli, Oktober und November.

c) Roma – Fortbildungsseminare für

- Roma-Vereinigungen in Albanien ;
- Mitglieder des Internationalen Roma-Frauennetzes „IRWN“;
- Juristen, die mit Fällen zu tun haben, in die Roma verwickelt sind (in Zusammenarbeit mit der Generaldirektion II);
- Mitglieder des beratenden Roma-Rates in Bosnien – Herzegowina (noch laufend);
- Roma-Vereinigungen zur Erläuterung des Systems der Kollektivbeschwerde im Rahmen der Europäischen Sozialcharta.

d) Informationsaustausch und Vorstellung guter Beispiele im mehrseitigen Rahmen :

- eine Gesprächsrunde über die Vereinheitlichung von Unterrichtsmaterial in der Roma – Sprache;
- ein Seminar zur kulturellen Identität von Roma und verwandten Gruppen (15. – 16. September 2003 - siehe oben).

e) Beiträge zu gemeinschaftlichen Programmen – vgl. Abschnitte 4 und 5 unten.

4. Gemeinschaftliches Projekt zum Thema „Roma-Frauen und Zugang zur öffentlichen Gesundheitsfürsorge“

Die Partnerschaft zwischen dem Europarat, der Europäischen Beobachtungsstelle von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (European Monitoring Centre on Racism and Xenophobia, EUMC) und dem Amt des OSZE – Hochkommissars für nationale Minderheiten (OSCE-HCNM) beim Projekt „Roma-Frauen und Zugang zur öffentlichen Gesundheitsfürsorge“ führte zur Ausrichtung einer internationalen Konferenz zu diesem Thema am 11. und 12. September in Straßburg. Die Konferenz bot der beratenden Sachverständigen, die an die 15 Mitgliedsstaaten aufgesucht hatte, Gelegenheit, den anwesenden Vertretern von Mitgliedsstaaten und internationalen Organisationen ihre Empfehlungen und ihren Bericht „Schranken überwinden – Roma – Frauen und Zugang zur öffentlichen Gesundheitsfürsorge“ vorzustellen. Das zum Jahresbeginn (im Februar) in Straßburg als Ausfluss des Projekts ins Leben gerufene Internationale Netz von Roma-Frauen (IRWN) beteiligte sich aktiv an der Konferenz. Die Empfehlungen der Konferenz sollen soweit wie möglich in den derzeit von der Fachgruppe MG-S-ROM erörterten Entwurf von Empfehlungen für den Zugang zur öffentlichen Gesundheitsfürsorge Eingang finden. Darüber hinaus ist daran gedacht, auch 2004 weiterhin dem Problem der Fortpflanzungsrechte und der Zwangssterilisierung von Roma-Frauen besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

5. Gemeinschaftliches Roma-Projekt im Rahmen des Stabilitätspakts für Südosteuropa

Ein neues Gemeinschaftsprojekt zwischen dem Europarat und der Europäischen Kommission wurde im Februar beschlossen; die Durchführung soll in Zusammenarbeit mit OSCE-ODIHR erfolgen. Das neue Projekt folgt einem ersten Gemeinschaftsprojekt, bei dem es um die Förderung der Entwicklung und Annahme allumfassender staatlicher Politik in den südosteuropäischen Ländern ging, etwa in Fragen der schulischen Betreuung, der Wohnungsfürsorge, der Arbeitsbeschaffung, der Sozialversicherung, der Gesundheitsfürsorge, der Bürgerrechte und der Teilnahme am öffentlichen Leben. Ergebnisse dieses ersten Projekts waren unter anderem: die Annahme eines Regierungsprogrammes für die Roma in Kroatien (Oktober 2003), die Einsetzung eines interministeriellen Ausschusses zur Annahme eines Aktionsplans zugunsten der Roma in Bosnien-Herzegowina (Juli 2002), an dem auch neun von ihren Leuten gewählte Roma-Vertreter teilnahmen, die Annahme des Entwurfs eines Regierungsprogramms in Serbien und Montenegro (Dezember 2002) sowie die Ausarbeitung eines Politikentwurfs durch ein Netz von 15 Roma – Vereinigungen in der Ehemaligen Jugoslawischen Republik Mazedonien.

Das neue Zwei-Jahres-Projekt hat verschiedene Zielsetzungen :

- Die Festigung der Bemühungen des ersten Projekts, dafür zu sorgen, dass offizielle Pläne für Programme zur Eingliederung der Roma auch tatsächlich angenommen werden und die Durchführung der staatlichen Politik vor Ort unter Beteiligung der Roma zu fördern, vor allem im Rahmen verstärkter Dezentralisierung (Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Serbien und Montenegro);

- Die Förderung der Entwicklung umfassender politischer Regierungsvorgaben für die Roma (in Albanien, Moldawien und der Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien), vor allem durch Erfahrungsaustausch unter den Ländern und unter Beteiligung von Beratern aus den Kreisen der Roma;

- Die Durchführung einer Untersuchung über den Zugang der Roma zum Arbeitsmarkt. Diese Untersuchung erfolgt durch örtliche sowie internationale Berater (darunter auch etliche Roma) und wird von einem beratenden Gremium betreut (dem unter anderen auch Vertreter der ILO, des UNDP und des PAKIV Roma Fund angehören). In Ergänzung hierzu wird eine Untersuchung auf regionaler Ebene in Auftrag gegeben, die dann in eine regionale Konferenz zu diesem Thema münden soll. Die Konferenz wird wahrscheinlich im Herbst 2004 in Budapest stattfinden.

- Seminare mit Beteiligung mehrerer Länder zum Zweck des Informationsaustausches und zur Vorstellung guter Beispiele (Themen: Aufhebung der getrennten schulischen Betreuung von Roma-Kindern und Einsetzung von Roma-Vermittlern).

Wie bereits im ersten Programm ist an eine enge Zusammenarbeit mit OSCE-ODIHR gedacht, dem es seit kurzem um die Förderung der Teilnahme von Roma am öffentlichen Leben geht, z.B. dass sie wählen gehen und/oder sich zur Wahl stellen.

6. Programme der Zusammenarbeit in Fällen geflohener oder zwangsumgesiedelter Roma

2003 kam es zu einer Zusammenarbeit zwischen dem Europarat und dem Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) in Serbien und Montenegro, im Kosovo und in der Ehemaligen Jugoslawischen Republik Mazedonien. Entsprechend der Situation im jeweiligen Land ging es dabei um die Eingliederung von Flüchtlingen, die freiwillige Rückkehr von Roma an ihren Ursprungsort oder um die Ausstellung von Ausweisen und sonstigen Personalpapieren. Ein weiteres gemeinsames Programm des Europarats mit dem UNHCR ist für 2004 geplant.

Die kritische Situation aus dem Kosovo geflohener Roma, die Skopje im Frühsommer verlassen und zwei Monate lang vor der griechischen Grenze kampiert hatten, hatte die Aufmerksamkeit des stellvertretenden Generalsekretärs des Europarats auf sich gelenkt, der sich darauf hin für eine engere Koordinierung zwischen den europäischen Einrichtungen und die Schaffung einer Spezialeinheit (Task Force) für Notfälle eingesetzt hatte.

Im Anschluss an den Serbien-Besuch einer Delegation, der auch Mitglieder der Parlamentarischen Versammlung angehört hatten, veröffentlichte ein Europaratsexperte einen Bericht über die zwangsweise Rückführung abgelehnter Roma – Asylbewerber aus Deutschland und anderen westlichen Ländern nach Serbien und Montenegro sowie dem Kosovo. In dem Bericht wurden die Umstände der Rückführung und Eingliederung dieser Leute geschildert.

7. Europaratsprojekt „Schulische Betreuung von Roma / Zigeuner-Kindern“

Im Rahmen dieses auf mehrere Jahre angesetzten Projekts der Direktion Bildungswesen des Europarats war die Dienststelle für Wanderbewegungen und Roma / Zigeuner bei der Organisation eines Seminars zur Vereinheitlichung von Unterrichtsmaterial in der Roma-Sprache behilflich (26. – 27. Mai 2003). Das Seminar brachte Vertreter der Schulverwaltung aus verschiedenen Mitgliedsstaaten sowie Sprachexperten und Unterrichtsexperten für Kultur und Geschichte der Roma zusammen. Der Grundgedanke des Projekts besteht darin, vorhandenes Unterrichtsmaterial in der Muttersprache der Roma zusammenzustellen, dadurch die Herstellungskosten zu senken und dieses Material anschließend zu übersetzen und der Situation im jeweiligen Mitgliedsstaat anzupassen. Anfang 2004 soll darüber gesprochen werden, wie nach diesem ersten Treffen weiter verfahren werden soll.

In Verbindung mit diesem Projekt fand in Dijon (Frankreich) eine Sitzung zu Fragen der Ausbildung von (Roma-) Vermittlern und Schullehrern statt. Ferner wurden das Projekt und seine Ziele in einer Informationsbroschüre beschrieben, die auf Englisch, Französisch und in der Roma-Sprache erhältlich ist.

8. Ein Koordinator für die Arbeiten zugunsten der Roma / Zigeuner

1994 ernannte der Europarat einen Koordinator für die verschiedenen Arbeiten zugunsten der Roma / Zigeuner innerhalb des Europarats. Der Koordinator sollte auch Beziehungen zu anderen internationalen Organisationen (vor allem zur Europäischen Union und zur Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa), zu Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Vertretern der Roma / Zigeuner knüpfen und die Zusammenarbeit mit ihnen aufnehmen oder verstärken.

Das Amt des Koordinators verfügt über ein Dokumentationszentrum und veröffentlicht in regelmäßigen Abständen ein Informationsblatt über die Arbeiten des Europarats zugunsten der Roma / Zigeuner.

2003 knüpfte der Koordinator Kontakte zu verschiedenen Ministerien, Einrichtungen und Roma-Vereinigungen in der Russischen Föderation (Region Ural) und der Ukraine. Er nahm teil an Besuchen vor Ort und an Gesprächsrunden über die Situation der Roma in diesen Ländern.

Er war auch im Kosovo und in der Ehemaligen Jugoslawischen Republik Mazedonien, wo er die (oben unter 6 erwähnte) kritische Lage der Roma-Flüchtlinge aus dem Kosovo meistern half.

Er nahm ferner an einer Reihe von Veranstaltungen anderer Europaratsabteilungen teil, bei denen er die Interessen der Roma / Zigeuner vertrat:

- Eine Sitzung des Ausschusses für sozialen Zusammenhalt des Kongresses der Gemeinden und Regionen Europas (KGRE) am 15. März, bei der er die wichtige Rolle der Gemeinden bei der praktischen Durchführung der Politik für Roma und fahrendes Volk unterstrich;
- Eine Sitzung in Rom mit dem Europäischen Menschenrechtskommissar;

- Eine gemeinsame Sitzung in Rom (Italien) des KGRE und der Generaldirektion III (Generaldirektion für sozialen Zusammenhalt) zur Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden und den Roma / dem fahrenden Volk in Fragen der Aufnahme und Eingliederung;

- Eine Sitzung des Europäischen Ausschusses für soziale Rechte (3. November), auf welcher der Koordinator unter Bezug auf Artikel 31 der revidierten Europäischen Sozialcharta auf die beklagenswerten Lebens- und Wohnverhältnisse von Millionen Roma in Europa hinwies; die staatlichen Stellen müssten dafür Sorgen, dass den Roma angemessene Wohnmöglichkeiten geboten würden. Im Zusammenhang mit dem Problem der Unterbringung von Roma kam auch das System der in der revidierten Europäischen Sozialcharta vorgesehenen Kollektivbeschwerde zur Sprache. (Gegen Griechenland ist eine Beschwerde anhängig.).

- Eine Sitzung des Europäischen Gesundheitsausschusses (CDSP) am 24. – 25. November, auf welcher der Koordinator den Ausschussmitgliedern die Schlussfolgerungen der internationalen Konferenz über Roma-Frauen und ihren Zugang zur öffentlichen Gesundheitsfürsorge (11.-12. September) vortrug und über die Gründung eines Internationalen Netzes von Roma – Frauen (IRWN) berichtete.

Schließlich lud der Koordinator die einschlägigen Abteilungen des Europarats am 12. November zu einer Besprechung ein, bei der er sie bat, mit Anmerkungen und Anregungen zu einem sachübergreifenden Projekt beizutragen, bei dem es um den Entwurf von Empfehlungen für politische Vorgaben zugunsten der Roma geht. Der Entwurf wird zur Zeit in der Fachgruppe MG-S-ROM beraten.

Auskunft über die Arbeiten des Europarats zugunsten der Roma, der Zigeuner und des fahrenden Volkes finden Sie im Internet auf der folgenden Webseite:
http://www.coe.int/T/E/Social_Cohesion/Roma_Gypsies/

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DIENSTSTELLE FÜR MIGRATIONSFRAGEN UND ROMA / ZIGEUNER
EUROPARAT – GENERALDIREKTION III FÜR SOZIALEN ZUSAMMENHALT

Leiterin der Dienststelle
Maria Ochoa-Llidó
Maria.Ochoa-Llido@coe.int

Fachgruppe Roma, Zigeuner und fahrendes Volk (MG-D-ROM) und
Europaratsprogramm für Politik zugunsten der Roma, der Zigeuner und des fahrenden Volkes (Sonderkonto)
Sekretär der Fachgruppe: Michael Guet Mitarbeiterin: Brigitte Thomas
Michael.Guet@coe.int Brigitte.Thomas@coe.int

Arbeiten zur Einsetzung eines Europäischen Forums für Roma und fahrendes Volk
sowie Zusammenarbeit mit der Generaldirektion IV beim Projekt „Schulische Betreuung der Roma- und Zigeunerkinder“

Sonderberaterin für Roma-Fragen Mitarbeiterin
Miranda Vuolasranta Judy Butler
Miranda.Vuolasranta@coe.int Judy.Butler@coe.int

Gemeinschaftsprogramm Europarat/EUMC/OSCE-HCNM zum Thema „Roma-Frauen und Zugang zur öffentlichen Gesundheitsfürsorge“ und
Gemeinschaftsprogramm Europarat/EG/OSCE-ODIHR zugunsten der Roma im Rahmen des Stabilitätspakts für Südosteuropa sowie
Europarats-Hilfsprogramme(einschließlich gemeinsamer Arbeiten mit dem UNHCR)

Projektleiter: Eleni Tsetsekou Mitarbeiterinnen: Nelly Tasnadi und Audrey Gabilly
Eleni.Tsetsekou@coe.int Nelly.Tasnadi@coe.int und Audrey.Gabilly@coe.int

Dokumentationszentrum und Webseite
Dokumentalistin: Judy Butler
Judy.Butler@coe.int

Europaratskoordinator für Arbeiten zugunsten der Roma / Zigeuner
Henry Scicluna
Henry.Scicluna@coe.int