Interview mit Renaldas Vaisbrodas, Präsident des europäischen Jugendforums

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In Warschau wird die europäische Jugend für kulturelle Vielfalt plädieren

Ungefähr einhundert Vertreter europäischer Jugendorganisationen treffen sich am 15. und 16. Mai in Warschau anlässlich des europäischen Jugendgipfels, der parallel zum Europaratsgipfel der Staats- und Regierungschefs stattfindet. Die Jugendlichen werden den Europarat auffordern, eine neue europäische Kampagne gegen Intoleranz zu starten. Interview mit dem Präsidenten des Forums, Renaldas Vaisbrodas.

Interview, 03.05.2005

Frage: Renaldas Vaisbrodas, Sie sind der Präsident des europäischen Jugendforums, das am 15. und 16. Mai in Warschau einen Jugendgipfel veranstaltet, parallel zum Gipfel der Staats- und Regierungschefs des Europarates am 16. und 17. Mai. Können Sie uns zunächst Ihre Organisation beschreiben?

Renaldas Vaisbrodas: Das europäische Jugendforum bietet den Jugendorganisationen in Europa die größte Plattform. Es wurde 1996 ins Leben gerufen. Man hat die drei wichtigsten internationalen Verbände der Jugendorganisationen unter ein Dach gebracht. Gegenwärtig umfassen wir 93 Nicht-Regierungsorganisationen, wobei zwei Hauptformen unterschieden werden können. Zunächst gibt es nationale Jugendräte in den Ländern, in denen die Strukturen für solche Räte vorhanden sind. Des Weiteren gibt es internationale Jugendorganisationen wie die Pfadfinder-Gruppen, es gibt politische – liberale, sozialistische etc. – Jugendorganisationen, kirchliche Vereinigungen und viele andere mehr.

Ich bin selbst Vertreter des nationalen Jugendrates in meinem Heimatland Litauen. Ich bin 23 Jahre alt und studiere internationale Kommunikationswissenschaften. Nachdem ich zwei Jahre lang Vize-Präsident des Forums war, wurde ich im November 2004 zum Präsidenten gewählt. Ich möchte betonen, dass ich diese Aufgabe ehrenamtlich ausführe und mein Studium fortsetze.

Frage: Warum findet der Jugendgipfel gleichzeitig mit dem Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs statt?

Renaldas Vaisbrodas: Dies ist das zweite Gipfeltreffen der Jugend Europas. Der erste Jugendgipfel fiel mit dem ersten Gipfeltreffen des Europarates 1993 in Wien zusammen, was sich als sehr positiv erwiesen hat. Wir werden über genau dieselben Themen sprechen wie die Staats- und Regierungschefs. Es wird vor allem um die Rolle des Europarates und die Notwendigkeit, dass der Europarat weiterhin die kulturelle Vielfalt fördert und auch in Zukunft ein größeres Bewusstsein für ein mittlerweile multikulturelles Europa schafft. Wir werden unsere Erkenntnisse den in Warschau versammelten Regierungsvertretern vorlegen, damit die Stimme der jungen Europäer gehört wird.

Frage: Konnten Sie sich in Wien Gehör verschaffen?

Renaldas Vaisbrodas: Ja, sicher. Zu dieser Zeit waren die neu entstehenden Demokratien und der Kampf gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz Thema unserer Gespräche. Wir forderten die Regierungen auf, europäische Jugendkampagnen gegen Rassismus ins Leben zu rufen. Die Idee wurde aufgegriffen und zwei Jahre später startete die Jugendkampagne des Europarates gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Intoleranz unter dem Motto „Alle anders, alle gleich“. Die Kampagne war ein großer Erfolg. Deswegen werden wir in Warschau eine Europäische Jugendkampagne fordern, die das Ziel hat, Jugendlichen zu helfen und sie in die Lage zu versetzen, am Aufbau einer friedlichen Gesellschaft auf der Grundlage der kulturellen Vielfalt und Integration in gegenseitigem Respekt und Verständnis teilzunehmen. Indem sie die Vielfalt und die aktive Teilnahme Jungendlicher fördert wird diese Kampagne ein weiterer Schritt zur Umsetzung des Prinzips „Alle anders, alle gleich“ sein.