Interview mit Michael Hancock

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Michael Hancock: “Der Europarat ist verpflichtet, Kinder in Heimen und Waisenhäusern zu schützen”

Straßburg, 25. April 2005

Der britische Parlamentarier Michael Hancock setzt sich stark für den Schutz von Kindern in Heimen und Waisenhäusern insbesondere in Mittel- und Osteuropa ein. Er hat soeben der Versammlung einen Bericht vorgelegt, der einen besseren Schutz ihrer Rechte fordert. Der Bericht schlägt auch Alternativen zu diesen Unterbringungen und Maßnahmen zur Integration der Kinder in die Gesellschaft vor.

Frage: 2004 haben Sie Rumänien, Bulgarien und Russland besucht. Wie ist die gegenwärtige Situation der Kinder, die in Waisenhäusern in diesen Ländern untergebracht sind?

Michael Hancock: Diese Kinder leben zugegebenermaßen in weniger drastischen Verhältnissen als noch vor ein paar Jahren. Aber es gibt immer noch viele Probleme. Erstens gibt es nicht genügend Geld zur Verbesserung der Einrichtungen und Lebensbedingungen. Zweitens gibt es nicht genügend Personal für die Kinder, obwohl viele von den Kindern entweder physische, mentale oder psychische Behinderungen haben. Auch gibt es nicht ausreichend Pflegeeltern, die bereit sind, eines dieser Kinder über einen beschränkten Zeitraum oder über längere Zeit aufzunehmen.

Frage: Was kann getan werden, um das Leben dieser Kinder zu verbessern und ihre Rechte zu stärken?

Michael Hancock: An erster Stelle muss das Leitungs- und Pflegepersonal besser geschult werden. Ich schlage vor, dass alle Mitglieder der Parlamentarischen Versammlung sich bemühen, sicherzustellen, dass die Städte aus denen sie kommen, angebrachte Schulungen für Pflegepersonal aus Ländern anbieten, in denen Kinder unter solchen Bedingungen leben. Das Pflegepersonal soll danach heimkehren und den Kindern wirksamere Hilfe bieten. Ich würde auch gerne den Europarat bitten, Finanzmittel aufzubringen und eine Vertrauensperson oder ein Kinderrechtsanwalt in jedem Land aufzustellen, der die Kinder vertritt und ihnen hilft, besonders dann, wenn sie in eine Einrichtung abgeschoben oder misshandelt wurden. Meiner Meinung nach ist der Europarat verpflichtet, diese Kinder zu schützen, denn falls er dazu nicht fähig ist, ist er auch nicht in der Lage, Erwachsene zu schützen.

Frage: Ihr Bericht betont die Notwendigkeit, internationale Unterstützung zu verstärken. Werden diese Finanzmittel eines Tages ausreichen?

Michael Hancock: Natürlich muss die internationale Unterstützung verstärken werden. Die Finanzmittel, einschließlich die des Europarates, für die Modernisierung dieser Einrichtungen, müssen auf dem best möglichen Weg zusammenkommen. Aber Geld allein ist nicht genug. Ich möchte eine echte Debatte über internationale Adoption führen, denn eine Zunahme der Adoptionen würde die Anzahl der in Einrichtungen untergebrachten Kinder reduzieren. Mir ist bewusst, dass das eine kontroverse Angelegenheit ist, aber ich will einfach darauf hinweisen, dass dies gerechtfertigt wäre, wenn es nur einem weiteren Kind aus dem Waisenhaus heraushilft und es glücklich macht. Wir müssen uns immer wieder vorhalten, dass ein Kind ohne Liebe nichts im Leben hat.