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Asma Jahangir: Je intoleranter eine Gesellschaft ist, desto mehr werden Frauen unter Druck gesetzt
Asma Jahangir, Rechtsanwältin aus Pakistan, ist UN-Sonderberichterstatterin zu Religionsfreiheit und Glauben. Sie sprach am 4. Oktober 2005 vor der Parlamentarischen Versammlung im Rahmen eine Debatte über Frauen und Religion.
Frage : Frau Jahangir, seit einem Jahr berichten Sie über dieses Thema. Welche Eindrücke konnten Sie sammeln?
Asma Jahangir: Religionsfreiheit ist ein weltweit interessantes und aktuelles Thema und es ist sehr wichtig, dass die Stimmen der Frauen gehört werden. Es hat auch hohen Symbolwert, dass eine Frau als Berichterstatterin zu diesem Thema eingesetzt wurde.
Bis heute habe ich drei verschiedene Länder besucht - Sri Lanka, Nigeria und Frankreich. In Sri Lanka gab es Probleme mit christlichen Evangelisten, die Buddhisten bekehren wollten, sogenannte „unethische Konvertierungen”. In Frankreich ist es ein Thema, auffallende religiöse Symbole zu tragen, Nigeria ist interessant wegen der Anwendung des Scharia-Gesetztes im Norden des Landes sowie eine allgemein festzustellende intolerante Atmosphäre.
Ich habe festgestellt: Je intoleranter eine Gesellschaft ist, desto mehr werden Frauen unter Druck gesetzt. Neutrale und säkulare Staaten im Allgemeinen fahren besser als Staaten, die sich zum Fürsprecher einer Religion machen.
Frage: Das ist ein sehr emotionales Thema – wie gehen Sie vor?
Asma Jahangir: Es ist wichtig, diese Themen rational anzugehen. Einfach ist es, Alarm zu schlagen, wenn einige schreckliche Zwischenfälle schwierige Situationen hervorrufen. Das wichtigste ist, bei seiner Meinung zu bleiben, wenn Rechte verletzt werden. Zum Beispiel sind Ehrenmorde ganz klar ein Verbrechen und müssen auch so behandelt werden. Wenn mein Kind das Gebetsbuch nicht in die Schule mitnehmen will, dann ist das kein Verbrechen, es davon zu überzeugen, doch wäre es ein Verbrechen, das Kind zu schlagen. Wenn eine erwachsene Frau zu einer Beschneidung der Klitoris zustimmt, dann ist das ihre Entscheidung, wenn es aber ein junges Mädchen oder eine Frau ist, die nicht ihre Einwilligung dazu gibt, und es wird durchgeführt, dann ist das total illegal.
Frage: Wie können Sie für diesen Bereich Regeln aufstellen. Was können Sie tun, damit sich was ändert?
Asma Jahangir: Gesetze können helfen, doch das ist alles, was die Regierung tun kann. Wichtig ist auch der Druck der Gemeinschaft, sonst akzeptiert die Gruppe nicht den Sinneswandel. Lassen Sie mich noch einmal das Beispiel der Beschneidung von Frauen anführen. Sie müssen Gesetze einbringen, um sicherzustellen, dass Kindern kein Schaden zugefügt wird, zu Führern einer Gemeinschaft sprechen, um andere Arten zu finden, ihre Riten zu feiern, die Frauen nicht verletzen. Dialog an sich ist nicht einfach und oft sprechen Männer, nicht Frauen, für ihre Gemeinschaft. Gute Arbeit kann in größeren und kleineren Städten geleistet werden, wo die gesamte Bevölkerung miteinander in Kontakt ist.